Die drei Kategorien der Einheit Allahs (Tauhid) sind

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1. Tauhid ar-Rububiyah (wörtl. die Aufrecht­erhaltung der Einheit in der Herrschaft Allahs).

 

2. Tauhid al-Asma was-Sifat (wörtl. die Aufrecht­erhaltung der Einheit in den Namen und Eigenschaften Allahs).

 

3. Tauhid al-Ibadah (wörtl. die Aufrechterhaltung der Einheit im Gottesdienst zu Allah)[1].

 

Die Unterteilung des Tauhid in seine Bestandteile wurde weder vom Propheten (a.s.s.) noch von seinen Gefährten vorgenommen, da keine Notwendigkeit bestand, so ein grund­legendes Prinzip des Glaubens auf diese Weise zu analysieren. Jedoch werden die Grundlagen dieser Komponenten in den Qur’anversen und in den erklärenden Aussprüchen des Propheten, Friede und Heil auf ihm, und seinen Gefährten impliziert. Dem Leser werden die Beweise klarer erscheinen, wenn wir jede Kategorie später in diesem Kapitel detaillierter behandeln werden.

 

Die Notwendigkeit für diese analytische Annäherung an das Tauhidprinzip ergab sich, nachdem sich der Islam in Ägypten, Byzanz, Persien und Indien verbreitet hatte. Durch diese Ausbreitung wurden auch die jeweiligen Kulturen jener Länder eingegliedert. Es ist ziemlich natürlich zu erwarten, dass die Menschen jener Länder, welche den Islam annahmen, ebenfalls Überreste ihrer alten Religion in ihre neue Religion mit einbringen würden. Als diese neuen Konvertiten begannen, ihre verschiedenen philosophischen Konzepte über Gott in Schriften und Diskussionen auszudrücken, entstand eine Verwirrung, wodurch der einfache monotheisti­sche Glaube des Islam bedroht wurde. Aufgrund ihrer Unfähigkeit, den Islam mit militärischen Mitteln zu bekämpfen, versuchten auch andere, den Islam im geheimen zu zerstören, obwohl sie nach außen hin den Islam angenommen hatten. Diese Gruppe von Menschen begann aktiv entstellte Ideen über Allah unter den Massen zu propagieren, um die erste Säule des Iman (Glaube) und somit den Islam an sich zu zerstören.

 

In Bezug auf muslimische Historiker war der erste Muslim, welcher die Position eines absolut freien Willens des Menschen vertrat und das Schicksal (Qadar) ablehnte, ein irakischer christlicher Konvertit mit dem Namen Sausan. Sausan nahm später wieder die christliche Lehre an, aber nicht ohne vorher seinen Schüler zu infizieren: Ma’bad ibn Khalid al-Juhani aus Basra. Ma’bad verbreitete die Ideen seines Lehrers, bis er vom omajjadischen Kalifen Abdul Malik ibn Marwan (685-705) im Jahre 700 n.Chr. gefangen genommen und exekutiert wurde.[2]

 

Die jüngeren Gefährten des Propheten (a.s.s.), welche zu dieser Zeit noch am Leben waren, wie Abdullah ibn Umar (gest. 694 n.Chr.) und Abdullah ibn Abi Awfa (gest. 705 n.Chr.), ermahnten die Leute, diejenigen weder zu grüßen noch das Begräbnisgebet zu vollziehen, welche das Schicksal verneinten. Dies deswegen, weil diese Gefährten solche Menschen als Glaubensverwei­gerer ansahen.[3] Jedoch fanden diese philosophi­schen Argumente christlichen Ursprungs für eine Willensfreiheit immer neue Befürworter. Ghailan ibn Muslim aus Damaskus studierte unter Ma’bad und verteidigte diese Sache bis er zum Kalifen Umar ibn Abdul-Aziz (712-720 n.Chr.) gebracht wurde. Er widerrief seine Lehre öffentlich, jedoch fuhr er nach dem Tod des Kalifen damit fort, die Lehre über die Willensfreiheit weiterhin zu verbreiten. Der darauf folgende Kalif Hisham ibn Abdul-Malik (724-743 n.Chr.) ließ ihn verhaften, untersuchen und schließlich exekutieren.[4]

 

Eine andere bekannte Figur in dieser Kontroverse war Al-Ja’d ibn Dirham, welcher nicht nur die Philosophie des freien Willens unterstützte, sondern auch versuchte, die Qur’anverse, welche Beschreibungen über die Eigenschaften Allahs beinhalten, aus der Perspektive der neoplatonischen Philosophie zu interpretieren. Al-Ja’d war für bestimmte Zeit ein Privatlehrer des omajjadischen Prinzen Marwan ibn Muhammad, welcher später der 14. Kalif (744-750 n.Chr.) wurde. Während seiner Predigten in Damaskus lehnte er öffentlich einige Eigenschaften Allahs ab (wie Sehen, Hören etc.), bis der omajjadische Gouverneur ihn vertrieben ließ.[5] Er floh nach Kufah, wo er weiterhin seine Ideen verbreitete und Anhänger fand, bis seine ketzerische Meinung sehr bekannt wurde. Der omajjadische Gouverneur Khalid ibn Abdillah ließ ihn danach öffentlich im Jahre 736 n.Chr. exekutieren. Jedoch folgte ihm sein wichtigster Schüler Jahm ibn Safwan und verteidigte die Doktrinen seines Lehrers in philosophischen Kreisen in Tirmiz und Balakh. Als seine Häresie weitverbreitet war, wurde er vom omajjadischen Gouveneur Nasr ibn Sayyar im Jahre 743 n.Chr. hingerichtet.[6]

 

Die früheren Kalifen und ihre Gouverneure waren den islamischen Prinzipien näher und das Bewusstsein der Massen war durch die Anwesenheit der Prophetengefährten und ihrer Schüler höher. Daher kam eine sofortige Antwort seitens der Herrscher bei einer Forderung der Hinrichtung öffentlicher Ketzer. Im Gegensatz dazu waren die späteren omajjadischen Kalifen korrupter und kümmerten sich daher weniger um solche religiösen Angelegenheiten. Ebenso die Massen, welche weniger ein islamisches Bewusstsein hatten und daher für abgewichene Ideen anfälliger waren. Als eine Vielzahl von Menschen dem Islam beitrat und das Wissen von einer wachsenden Zahl an eroberten Nationen aufgenommen wurde, vollzog man kaum noch die Exekution von Abtrünnigen, um die aufgehende Neigung zur Ketzerei abzuwehren. Die Aufgabe sich dieser Neigung zur Ketzerei entgegen­zustellen, fiel auf die Schulter der muslimischen Gelehrten dieser Zeit, welche aufstanden, um den Kampf auf intellektueller Ebene zu führen. Sie widersprachen den verschiedenen eindringlichen Philosophien und Glaubensbekenntnissen (Aqida) systematisch, indem sie diese in Kategorien unterteilten und darauf mit Prinzipien aus dem Qur’an und der Sunna[7] entgegneten. Diese defensive Haltung war die eigentliche Ursache, dass sich die Wissenschaft des islamischen Einheitsprinzip (Tauhid) mit seinen genau definierten Kategorien und Elementen entwickelte. Dieser Prozess der Spezialisierung ereignete sich simultan in allen anderen Bereichen der islamischen Wissenschaften, ähnlich wie es mit den verschiedenen weltlichen Wissenschaften heutiger Zeit geschah. Wenn daher die Kategorien des Tauhid getrennt und viel tiefer studiert werden, sollte man nicht vergessen, dass sie alle ein Teil eines Ganzen sind, welche wiederum die Grundlage eines größeren Ganzen bilden, nämlich des Islam an sich.




[1] Ibn Abil- Izz al-Hanafi, Scharh al-Aqida at Tahawiyah, S. 78.

[2] Ibn Hajar, Tahdib at-Tahdib.

[3] Abdulqahir ibn Tahir al-Bagdadi, Al-Farq bayn al-Firaq.

[4] Muhammad ibn Abdul-Karim as-Schahrastani, Al-Milal wan-Nihal.

[5] Ahmad ibn Hanbal, Ar-Radd a la al-Gahmiyah.

[6] Muhammad ibn Abdul-Karim as-Schahrastani, Al-Milal wan-Nihal.

[7] Praxis des Propheten

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