Die Erhaltung des Quran (teil 2 von 2): Der geschriebene Quran

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Der gesamte Quran wurde in der Zeit der Offenbarung durch manche der Prophetengefährten, die des Lesens und Schreibens kundig waren, nachdem der Prophet, möge Gott ihn loben, ihnen die Verse diktiert hatte, ebenfalls auf irgendeine Weise in geschriebener Form berichtet.  Der bekannteste von ihnen war Zaid ibn Thabit.[1]  Andere dieser ehrbaren Schreiber waren Ubayy ibn Ka’b, Ibn Mas’ud, Mu’awiyah ibn Abi-Sufyan, Khalid ibn Walied und Zubayr ibn Awwam.[2]  Die Verse wurden auf Leder, Pergament, Scapulae (Schulterblätter von Tieren) und den Stengeln von Dattelpalmen niedergeschrieben.[3]


Die Systematisierung (d.h. in ´Buchform´) erfolgte bald nach der Schlacht vonYamamah (11AH/633nChr.), nach dem Tod des Propheten unter dem Khalifat von Abu Bakr.  Viele Gefährten wurden bei dieser Schlacht zu Märtyrern und es wurde befürchtet, dass solange kein geschriebenes Exemplar von der gesamten Offenbarung bestehe, möglicherweise aufgrund des Todes derjenigen, die sie auswendig kannten, große Teile des Quran verloren gehen könnten.  Auf die Anregung ´Umars hin wurde daher Zaid ibn Thabit von Abu Bakr beauftragt, als Führer eines Kommitees die verteilten Berichte des Quran zusamenzutragen und einen Mushaf anzufertigen – lose Blätter, welche die gesamte Offenbarung enthielten.[4]  Um die Zusammenstellung vor Irrtümern zu schützen, akzeptierte das Kommitee nur Material, das in der Gegenwart des Propheten selbst niedergeschrieben worden war und das von mindestens zwei glaubwürdigen Zeugen bestätigt wurde, welche diese fragliche Passage ebenfalls vom Propheten gehört hatten.[5]  Einmal vervollständigt und einmütig von den Gefährten des Propheten angenommen, wurden diese Seiten von dem Khalif Abu Bakr (13AH/634nChr.) aufbewahrt, dann seinem Nachfolger ´Umar (13-23AH/634-644nChr.) überreicht und dann ´Umars Tochter und der Witwe des Propheten Hafsa[6].

 


Der dritte Khalif, ´Uthman (23AH-35AH/644-656nChr.) bat Hafsa, ihm die Handschrift des Quran zu schicken, die bei ihr verwahrt war, und er ordnete die Anfertigung mehrerer gebundener Kopien davon an (masaahif, sing. mushaf).  Mit dieser Aufgabe wurden Zaid ibn Thabit, Abdullah ibn Az-Zubair, Sa’ied ibn As-’As und Abdur-Rahman ibn Harith ibn Hisham betraut.[7]  Nach der Beendigung (im Jahr 25AH/646nChr.), gab ´Uthman Hafsa die Originalhandschrift zurück und schickte die Kopien in die großen islamischen Provinzen.

 


Zahlreiche nicht-muslimische Gelehrte haben das Thema der Zusammen-stellung und Erhaltung des Quran studiert und seine Authenzität bestätigt.  John Burton stellt am Ende seines stichhaltigen Werkes über die Zusammenstellung des Quran fest, dass der Quran, den wir heute lesen können :..

 


“…der Text, der zu uns herabgekommen ist, in der Form, die vom Propheten geordnet und angenommen worden ist ... Was wir heute in den Händen halten, ist der Mushaf von Muhammad.[8]

 


Kenneth Cragg beschreibt die Übermittlung des Quran von der Zeit seiner Offenbarung bis heute als “eine ungebrochene Sequenz der Frömmigkeit.”  [9]  Schwally trägt dazu bei:

 


“Was die unterschiedlichen Teile der Offenbarung betrifft, können wir zufrieden sein, dass ihr Text allgemein exakt übermittelt worden ist, so wie er im Erbe des Propheten vorgefunden wurde.”[10]

 


Die historische Glaubwürdigkeit des Quran wird desweiteren durch die Tatsache bestätigt, dass eine der Kopien, die der Khalif ´Uthman verschickte, noch heute erhalten ist.  Sie liegt im Museum der Stadt Tashkent in Uzbekistan, Zentralasien.[11]  Gemäß dem “Memory of the World Program”, UNESCO, einem Zweig der Vereinten Nationen, “handelt es sich um die definitive Version, bekannt als der Mushaf des ´Uthman.”[12]

 


Diese Handschrift aus dem “Muslim Board” in Uzbekistan, ist die älteste geschriebene Version des Quran.  Es handelt sich um die definitive Version, bekannt als “der Mushaf des ´Uthman”.  Bild aus dem “Memory of the World Register” der UNESCO.

 


 

Eine Reproduktion des Mushaf von Tashkent liegt der Columbia Universitäts-Bibliothek in den US.[13]  Diese Kopie ist der Beweis dafür, dass der Text des Quran, der heute im Umlauf ist, mit dem aus der Zeit des Propheten und seiner Gefährten identisch ist.  Eine Kopie des Mushaf wurde nach Syrien geschickt. (und ein Duplikat angefertigt, bevor ein Feuer 1310AH/1892nChr. Die Ğaami´ Masğid zerstörte, wo er aufbewahrt wurde) und existiert noch im Topkapi Museum in Istanbul[14], und ein frühes Manuskript auf Gazellenpergament existiert im Dar al-Kutub as-Sultaniyyah in Ägypten.  Noch ältere Handschriften aus allen Zeitaltern der islamischen Geschichte wurden in der Kongressbibliothek in Washington, im Chester Beatty Museum in Dublin (Irland) und im Londoner Museum gefunden und mit denen von Tashkent, der Türkei und Ägypten mit dem Ergebnis verglichen, dass es seit der Zeit, in der das Original aufgeschrieben worden war, keine Veränderungen im Text gegeben hat.[15]

 


Das Institut für Koranforschung an der Universität München sammelte beispielsweise über 42 000 vollständige oder unvollständige alte Kopien des Quran.  Nach ungefähr fünfzig Jahren Forschung berichteten sie, dass es zwischen den einzelnen Exemplaren keinerlei Unterschiede gab, außer manche Flüchtigkeitsfehler des Schreibers, sie leicht festzustellen waren.  Dieses Institut wurde unglücklicherweise im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört.[16]

 


Dank der Anstrengungen der frühen Gefährten und mit Gottes Beistand wird der Quran, wie wir ihn heute haben, geauso rezitiert, wie er offenbart wurde.  Dies macht ihn zu der einzigen religiösen Schrift, die noch immer vollständig erhalten geblieben und in ihrer Originalsprache zu verstehen ist.  Es ist in der Tat so, wie William Muir feststellt: “Es gibt wahrscheinlich kein anderes Buch auf der Welt, das zwölf  (jetzt vierzehn) Jahrhundete mit einem so reinen Text erhalten geblieben ist.”[17]

 


Der oben beschriebene Beweis bestätigt Gottes Versprechen im Quran:

“Wahrlich, Wir selbst haben diese Ermahnung herabgesandt, und sicherlich werden Wir ihr Hüter sein.” (Quran 15:9)

Der Quran wurde sowohl in mündlicher als auch in schriftlicher Form erhalten wie kein anderes Buch, und jede Form stellt eine Möglichkeit zur Überprüfung und ein Beweis für die Authentizität der anderen dar.



Footnotes:

[1] Jalal al-Din Suyuti, Al-Itqan fee ‘Uloom al-Quran, Beirut: Maktab al-Thiqaafiyya, 1973, Vol.1, S.41 & 99.

[2] Ibn Hajar al-’Asqalani, Al-Isabah fee Taymeez as-Sahabah, Beirut: Dar al-Fikr, 1978; Bayard Dodge, The Fihrist of al-Nadeem: A Tenth Century Survey of Muslim Culture, NY: Columbia University Press, 1970, S.53-63. Muhammad M. Azami, in Kuttab al-Nabi, Beirut: Al-Maktab al-Islami, 1974, erwähnt tatsächlich 48 Personen, die für den Propheten aufzuschreiben pflegten.(p).

[3] Al-Harith al-Muhasabi, Kitab Fahm al-Sunan, cited in Suyuti, Al-Itqan fi ‘Uloom al-Quran, Vol.1, S.58.

[4] Sahieh Al-Bukhari Vol.6, Hadith Nos.201 & 509; Vol.9, Hadith No.301.

[5] Ibn Hajar al-’Asqalani, Fath al-Bari, Vol.9, S.10-11.

[6] Sahieh Al-Bukhari, Vol.6, Hadith No.201.

[7] Sahieh Al-Bukhari Vol.4, Hadith No.709; Vol.6, Hadith No.507

[8] John Burton, The Collection of the Quran, Cambridge: Cambridge University Press, 1977, S.239-40.

[9] Kenneth Cragg, The Mind of the Quran, London: George Allen & Unwin, 1973, S.26.

[10] Schwally, Geschichte des Qorans, Leipzig: Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung,1909-38, Vol.2, S.120.

[11] Yusuf Ibrahim al-Nur, Ma’ al-Masaahif, Dubai: Dar al-Manar, 1st ed., 1993, S.117; Isma’il Makhdum, Tarikh al-Mushaf al-Uthmani fi Tashqand, Tashkent: Al-Idara al-Diniya, 1971, S.22ff.

[12] (http://www.unesco.org.)

I. Mendelsohn, “The Columbia University Copy Of The Samarqand Kufic Quran”, The Moslem World, 1940, S. 357-358.

A. Jeffery & I. Mendelsohn, “The Orthography Of The Samarqand Quran Codex”, Journal Of The American Oriental Society, 1942, Volume 62, S. 175-195.

[13] The Muslim World, 1940, Vol.30, S.357-358

[14] Yusuf Ibrahim al-Nur, Ma’ al-Masaahif, Dubai: Dar al-Manar, 1st ed., 1993, S.113

[15] Bilal Philips, Usool at-Tafseer, Sharjah: Dar al-Fatah, 1997, S.157

[16] Mohammed Hamidullah, Muhammad Rasullullah, Lahore: Idara-e-Islamiat, n.d., S.179.

[17] Sir William Muir, Life of Mohamet, London, 1894, Vol.1, Einleitung.

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