Die prüfung im grab und die auferstehung

Scheikh Al-Islam ibn Taymiyyah

Zum Glauben an den jüngsten Tag gehört all jenes, das der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) über die Geschehnisse nach dem Tode erzählt hat, so der Glaube an die Prüfung, an die Bestrafung und die Glückseeligkeit im Grab.

Was die Prüfung angeht, so werden die Menschen in ihren Gräbern geprüft. Es wird zum Menschen gesagt: „Wer ist dein Herr (Rabb)? Was ist deine Religion (din)? Wer ist dein (zu dir entsandter) Prophet (rasul)?“ Allah wird die Gläubigen mit den wahren Worten in diesem Leben und im Jenseits festigen. So wird der Gläubige sagen: „Allah ist mein Herr (Rabb), Islam ist meine Religion (din) und Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm) ist mein (zu mir entsandter) Prophet (rasul)." Aber der Zweifelnde wird sagen: „Was? Was? Ich weiß nicht. Ich habe die Menschen etwas sagen hören, so sagte ich es auch.“ Daraufhin wird er mit einem Eisenstab geschlagen, dass er einen lauten Schrei von sich gibt, welchen alle (Wesen), außer Menschen hören können, denn wenn sie (die Menschen) ihn hören könnten, würden sie ohnmächtig werden.

Dieser Prüfung folgt anschließend die Glückseeligkeit oder die Bestrafung, bis die große Auferstehung (al-Qiyama al-Kubra) eintritt. Die Seelen werden wieder in ihre Körper versetzt und die Auferstehung, worüber Allah in Seinem Buch (al-Qur´an) und durch Seinen Propheten berichtet hat und worüber sich alle Muslime einig sind, wird einsetzen. Die Menschen werden, nackt, barfuss und unbeschnitten aus ihren Gräbern auferstehen um dem Herrn (Rabb) der Welten vorzutreten, wobei die Sonne sich ihnen nähert und ihr eigener Schweiß sie überwältigt. Hiernach werden die Waagen aufgestellt, so dass die Taten der Menschen aufgewogen werden.

Wessen Waagschalen schwer sein werden, das sind diejenigen, denen es wohl ergeht. Wessen Waagschalen aber leicht sein werden, das sind diejenigen, die ihre Seelen verloren haben; in der Hölle werden sie ewig bleiben

al-Mu`minun:102-103 

Die niederschriften der taten

  Die Niederschriften der Taten werden verteilt. Manche werden sie in ihre rechte Hand bekommen und andere werden sie in ihre linke Hand oder hinter ihren Rücken bekommen.

Wie der Erhabene,

der Gepriesene sagte

Und einem jeden Menschen haben Wir seine Taten an den Hals geheftet; und am Tage der Auferstehung werden Wir ihm ein Buch herausbringen, das ihm geöffnet vorgelegt wird. „Lies dein Buch. Heute genügt deine eigene Seele, um die Abrechnung gegen dich vorzunehmen

al-Isra`:13-14

Allah wird die Menschen an ihre Taten erinnern, persönlich zu Seinem treuen Diener ('abd) sprechen und ihn an all seine Sünden erinnern. So wie es im Buch und in der Sunnah beschrieben wurde.

Was den Ungläubigen angeht, so wird nicht mit ihnen abgerechnet, wie mit jemandem, dessen guten und schlechten Taten gewogen werden. Denn sie werden keine guten Taten haben. Vielmehr werden ihre Taten aufgezählt, geprüft und ihnen vorgelegt, so dass sie dies selbst bestätigen und daraufhin bestraft werden. 

[Al-hawd (das becken des propheten)] 

Am Ort des Gerichts ist das Becken des Propheten mit einem Wasser, das weißer als Milch und süßer als Honig ist. Die Anzahl der Trinkgefäße ist wie die der Sterne, und seine Länge ist eine Monatsreise und auch seine Breite ist eine Monatsreise. Wer immer davon trinkt wird nie wieder Durst erleiden. 

[As-sirat (die brücke über der hölle)] 

As-Sirat erstreckt sich über die Hölle (jahannam). Es ist die Brücke zwischen Paradies und Hölle. Die Menschen überqueren sie entsprechend ihrer Taten. Manche überqueren sie so schnell wie ein Augenzwinkern, manche überqueren sie wie ein Lichtblitz, manche überqueren sie wie ein Wind, manche überqueren sie wie auf einem edlen Pferd, manche überqueren sie wie auf einem Kamel, manche überqueren sie rennend, manche gehend, andere kriechend und manche werden gefasst und ins Höllenfeuer geworfen. Die Brücke hat Haken, um die Menschen entsprechend ihrer Taten zu ergreifen. Wer immer sie überquert, tritt in das Paradies ein. Wenn sie As-Sirat überqueren, werden sie auf einer (weiteren) Brücke zwischen Hölle und Paradies angehalten um gegenseitige Verschuldungen beizulegen. Wenn sie davon befreit und gereinigt sind, wird ihnen die Erlaubnis erteilt das Paradies (al-janna) zu betreten 

[Ash-shafa'a (die fürsprache des propheten)] 

Der erste, der darum beten wird das Tor des Paradieses zu öffnen, ist Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm) und die erste Umma, die das Paradies betreten wird, ist seine Umma.

Und er (Muhammad) wird am Tag der Auferstehung drei Fürsprachen haben:

Seine erste Fürsprache wird zum Nutzen aller zur Aburteilung der Ausharrenden sein, nachdem die Propheten, wie Adam, Nuh (Noah), Ibrahim (Abraham), Musa (Moses), 'Isa Ibn Maryam (Jesus, Sohn der Maria) (as) die Ausführung der Fürsprache von sich gewiesen haben und diese Aufgabe ihn (Muhammad) erreicht.

Seine zweite Fürsprache wird zum Nutzen all der Menschen des Paradieses sein, so dass sie jenes betreten. Diese zwei Fürsprachen stehen lediglich ihm zu.

Seine dritte Fürsprache legt er für jene ein, welche das Feuer verdient haben. Diese (Art der) Fürsprache wird er (Muhammad) sowie alle Propheten, Rechtschaffene und andere einlegen. So werden sie für jene fürsprechen, die das Feuer verdient haben, damit sie nicht hineintreten; und für jene, die in das Feuer eingetreten sind, damit sie herausgenommen werden.

Allah, der Erhabene, lässt andere Menschen ohne Fürsprache aus dem Feuer gehen, dies durch Seine Güte und Barmherzigkeit. Im Paradies wird es ungenutzten Platz geben, so wird Allah weitere Völker dafür erschaffen und sie darin eintreten lassen.

Das Jenseits beinhaltet das Gericht, Belohnung, Bestrafung, Paradies und Hölle. Dies ist detailliert in den aus den Himmeln offenbarten Büchern sowie in den Überlieferungen der Propheten (Allahs Friede auf ihnen) und in dem Muhammad (Allahs Segen und Friede auf ihm) eingegebenen Wissen erwähnt, was (in diesem Zusammenhang) zureichend und gebührend ist. Und wer danach sucht, findet es. 

[Al-qadar (vorherbestimmung)] 

Die errettete Gruppe - die Leute der Sunnah und der Gemeinschaft (ahl as-Sunnah wal-jama'a) - glaubt an al-Qadar (die Vorherbestimmung), obgleich im Guten wie im Schlechten. Der Glaube an die Vorherbestimmung besteht aus zwei Stufen und jede dieser Stufen beinhaltet zwei Dinge:

Die erste Stufe ist der Glaube daran, dass Allah, der Erhabene, weiß, was seine Geschöpfe tun werden. Dies durch Seine Allwissenheit, mit welcger Er ewig beschrieben ist. Er kannte all ihre Zustände wie die des Gehorsams und des Ungehorsams sowie ihres Unterhaltes und ihrer Lebensfrist.

Dann schrieb Allah die Bestimmung seiner Geschöpfe in al-Lawh al-Mahfudh (die wohlverwahrte Tafel): Das erste was Er erschuf, war die Schreibfeder (al-qalam). Er sagte zu ihr: "Schreibe!", sie fragte: "Was soll ich schreiben?", Er sagte: "Schreibe alles auf, das geschehen wird, bis zum Tag des jüngsten Gerichts!" Was immer dem Menschen widerfahren soll, das wird ihn niemals verfehlen und was immer den Menschen verfehlen soll, das wird ihm niemals widerfahren. Die Schreibfedern sind trocken und die Schriftrollen wurden zusammengerollt.

So wie Allah, der Erhabene, der Gepriesene, sagte

Weißt du nicht, dass Allah das kennt, was im Himmel und was auf der Erde ist? Wahrlich, das steht in einem Buch, das ist für Allah ein Leichtes

al-Hajj:70

Und Er sagte

Kein Unglück trifft ein auf der Erde oder bei euch selbst, ohne daß es in einem Buch (verzeichnet) wäre, bevor Wir es erschaffen - gewiß, dies ist Allah ein leichtes

al-Hadid:22

Diese Vorhersehung, welche zu Seinem Wissen gehört - Gepriesen sei Er - ist an manchen Stellen zusammengefasst und an anderen detailliert angeführt. Er hat in der wohl bewahrten Tafel (al-lawh al-mahfuz) all das was Er gewollt hat, niedergeschrieben. Wenn Er den Körper des Fötus erschafft und bevor die Seele in dieses eingegeben wird, sendet Er einen Engel zu ihm und befiehlt ihm, vier Worte aufzuschreiben - seinen Unterhalt, seine Lebensfrist, seine Taten und ob er glückselig oder unglücklich sein wird, und Ähnliches. Diese Art der Vorherbestimmung wurde in der Vergangenheit von extremen Qadariyya abgelehnt, aber in heutiger Zeit sind es wenige, die dies ablehnen.

Was die zweite Stufe angeht, so ist sie der vollzogene Wille Allahs und Seine allumfassende Fähigkeit. Es ist der Glaube daran, dass was immer Allah will, geschehen wird und was immer Er nicht will, sich niemals ereignen wird. Welche Bewegung oder Stille in den Himmeln oder auf der Erde auch immer sein mag, es ist der Wille Allahs, des Gepriesenen. Nichts kommt zustande in seinem Reich, außer das was Er will und Er, der Gepriesene, der Erhabene ist zu allem imstande, sei es existent oder unexistent.

Es gibt kein Wesen auf der Erde oder im Himmel, außer, dass Allah, der Erhabene, sein Schöpfer wäre. Es gibt keinen Schöpfer neben ihm und es gibt keinen Herrn neben ihm.

Mit alledem ordnete Er Seinen Dienern an, sich Ihm und Seinen Gesandten zu fügen und Er verbat ihnen, die Ungehorsamkeit Ihm gegenüber.

Er, der Erhabene, liebt die Frommen, die Gutes Tuenden und die Gerechten. Er hat Wohlgefallen mit jenen, die glauben und gute Taten verrichten. Er liebt nicht die Ungläubigen, Er hat Missgefallen an Übertretern (fasiqin). Er gebietet nicht das Schändliche, Er wünscht Seinen Geschöpfen nicht den Unglauben und Er liebt nicht die Verderbnis.

Die Geschöpfe sind in Wirklichkeit die Ausführenden (der Taten), aber Allah ist der Schöpfer ihrer Taten. Der 'Abd (Diener) ist der Gläubige, der Ungläubige, der Rechtschaffene und der Niederträchtige, der Betende und der Fastende. Die 'Ibad (pl. Diener) haben Macht über ihre Taten und sie haben einen Willen. Allah ist ihr Schöpfer und auch der Schöpfer ihrer Macht und ihres Willens,

so wie Er, der Gepriesene sagte

Für denjenigen unter euch, der aufrichtig sein will. Und ihr könnt nicht wollen, es sei denn, dass Allah will, Er, der Herr der Welten

at-Takwir:28-29

Diese Stufe der Vorhersehung wird von den meisten der Qadariyya abgelehnt – von jenen, die der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) "die Majus (Feuer-Anbeter/Zoroastrier) der Umma (des Islam)" nannte. Andere, die dies bestätigen, übertreiben es bis zu dem Ausmaß, dass sie dem Diener seine Macht und seinen Willen absprechen. Und aus den Handlungen und Urteile (Ahkam) Allahs schließen sie die Weisheit und den Vorteil der Handlungen aus.

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