Gottes Bewahrung der Sunna (teil 5 von 7): Frühe Hadithkritik und Bewertung von Überlieferern

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Ein anderer wichtiger Aspekt bei der Erhaltung der Hadithe war die frühe Entwicklung der Hadithkritik und der Bewertung der Überlieferer.  Sogar als der Prophet Muhammad, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, noch lebte, gingen die Gefährten häufig zu ihm, um ein paar Berichte, die sie unter Berufung auf ihn gehört hatten, bestätigen zu lassen.  Professor Azami verweist auf Beispiele aus den Hadithsammlungen von Ahmad, al‑Bukhari, Muslim und al‑Nasaai, und schreibt:


“Wenn Kritik die Bemühung ist, zwischen dem Richtigen und dem Falschen zu unterscheiden, dann können wir sagen, dass sie zu Lebzeiten des Propheten ihren Anfang nahm.  Aber in dieser Phase bedeutete es nicht mehr, als zum Propheten zu gehen und zu prüfen, ob etwas, von dem berichtet wurde, dass er es gesagt haben soll, wahr ist...

“Diese Art der Nachforschung oder Bestätigung [sic] wurde von Ali, Ubaiy ibn Kaab, Abdullah ibn Amr, Umar, Zainab der Frau von ibn Mas´uud und anderen durchgeführt.  Angesichts dieser Tatsache kann behauptet werden, dass die Nachforschung über Hadithe oder, mit anderen Worten, die Hadithkritik in einer anfänglichen Form zur Zeit des Propheten begann.”[1]

Selbstverständlich war das direkte Bestätigen der Überlieferungen mit dem Gesandten Gottes nach dessen Tod beendet.  In der Zeit der Gefährten pflegten diese, angeführt von den Rechtschaffenen wie Abu Bakr, Umar, Ali, ibn Umar und anderen, Hadithe unter einander zu bestätigen.  Umar beispielsweise war sehr streng in der Absicherung der ordnungsgemäßen Verbreitung von Hadithen.   In Sahih Muslim kann man das Beispiel von Abu Musa al-Aschari finden.  Umar drohte, ihn zu bestrafen, wenn er keinen Zeugen für einen Hadith bringen könnte, den er Umar berichtet hatte.  Als er diesen Hadith kommentierte, sagte Abdul Hamid Siddiqi, dass Umar Abu Musa nicht angezweifelt hat, sondern er wollte eine strenge Kontrolle über die Übermittlung der Hadithe behalten.[2]


Es gibt viele Beispiele dieser Art.  Abu Hurairah, Aishah, Umar und ibn Umar haben die haben die Richtigkeit der Hadithe geprüft.  Manchmal haben sie die Hadithe mit “Kreuz-Referenz” überprüft (wie Umar und Abu Musa oben) und ein anders Mal wandten sie etwas an, das man als “Zeit-Serie” – Prüfung bezeichnen könnte.  Imam Muslim berichtet, dass Aischa einen bestimmten Hadith gehört hatte, den Abdullah ibn Amr berichtet hat.  Ein Jahr später ließ sie ihren Diener zu Abdullah ibn Amr gehen, um den Hadith wieder von ihm zu hören, um sicherzugehen, dass er ihn exakt so berichtete, wie er ihn vom Propheten gehört hatte und dass er in seiner Erzählung keine Fehler oder Zusätze machte.[3]


Diese Prüfung der Überlieferer führte zu der Entwicklung der faszinierendsten und einzigartigen Wissenschaft des Al-jarh wa al-tadeel, in dem die Leben, akademischen und moralischen Eigenschaften von Tausenden Überlieferern in allen Einzelheiten festgehalten sind.  Jeder Überlieferer muss sowohl akademische als auch moralische Vorzüge haben, damit sein Hadith anerkannt wird.  Eines davon ohne das andere war einfach nicht ausreichend.  Eine Person kann ein großartiges Gedächtnis haben oder in der Lage sein, etwas sehr exakt zu berichten, aber wenn er nicht als völlig ehrlich und vertrauenswürdig angesehen wird, werden seine Überlieferungen von Hadithen, die wichtigste Information, die eine Person weitergeben kann, nicht akzeptiert.  Dementsprechend kann eine Person sehr fromm und ehrlich sein, wenn sie aber keine literarischen oder akademischen Vorzüge besitzt, um diese fehlerlos und exakt weiterzugeben, dann kann man sich auf ihre Berichte nicht verlassen.

Daher haben die Gelehrten viele Mittel entwickelt, um die Fähigkeit und Exaktheit der Überlieferer von Hadithen zu prüfen.  Azami stellt fest, dass es vier grundsätzliche Wege gibt, um die Fähigkeit eines Überlieferers zu prüfen.  Er hat für jeden Weg ein Beispiel gegeben.[4]  Die vier sind: 

(1)  Vergleich zwischen den Hadithen verschiedener Schülern desselben Gelehrten.  Ein Beispiel ist das von Yahya ibn Maien, der die Bücher von Hammad ibn Salama und von 17 Schülern Hammads las.  Er sagte, auf diese Weise wäre er in der Lage, die Fehler, die Hammad gemacht habe, herauszufinden (indem er sie mit dem verglich, was andere Gelehrten berichtet hatten) und die Fehler, die jeder einzelne Schüler gemacht hatte (indem er sie mit den anderen Schülern Hammads verglich). 

(2)  Vergleich zwischen den Aussagen eines einzelnen Gelehrten zu unterschiedlichen Zeiten.  Zuvor war der Hadith erwähnt worden, über den Aischa Abdullah ibn Amr ibn al‑As befragt hatte, den er ein Jahr zuvor berichtet hatte.  Als sie herausgefunden hatte, dass er an dem Hadith nichts verändert hat, wusste sie, dass er ihn exakt auswendig gelernt hat, als er ihn vom Propheten gehört hatte.  

(3)  Vergleich zwischen verbaler Rezitation und geschriebenen Dokumenten.  Azami gab folgendes Beispiel: 

Abdur Rahman b. Umar überlieferte einen Hadith von Abu Hurairah bezüglich des Dhuhurgebets [das Mittagsgebet], das im Sommer über seine frühe Zeit hinausgezögert werden darf [sic].  Abu Zurah sagte, das sei nicht korrekt.  Dieser Hadith werde unter Berufung auf Abu Said überliefert.  Abdur Rahman b. Umar nahm dies sehr ernst und vergaß es nicht.  Als er in seine Stadt zurückkehrte, kontrollierte er sein Buch und fand den Fehler bei sich selbst.  Da schrieb er Abu Zurah, gab seinen Fehler zu, bat ihn, sich zu bemühen [sic] und die-und- die Person und andere zu informieren, die darueber gefragt hatten und ihnen von seinem Fehler zu erzählen und er sagte, Gott werde ihn belohnen, denn die Schande sei besser als die Hölle.[5]

(4)  Vergleich zwischen dem Hadith und dem Qur´antext.  Diese Handhabe begann mit den Gefährten.  Der Qur´an war die erste Prüfung, welcher der Hadith unterzogen wurde.  Die Gefährten akzeptierten keinen Hadith, der dem Qur´an widersprach; statt dessen zogen sie den Schluss, dass dem Gefährten einen Fehler unterlaufen sein musste oder dass er missverstanden haben muss, was der Prophet gesagt hat.  Sie wussten, dass der Qur´an und die Sunna im wesentlichen eine Offenbarung waren und es war unmöglich, dass eine der anderen widerspricht. 

Azami erwähnt nur die obrigen vier Methoden zur Überprüfung der Fähigkeit eines Überlieferers, aber es gab noch andere.  Die Folgenden waren ziemlich gewöhnlich: Vergleich zwischen dem, was der Überlieferer berichtete mit dem, was andere überliefert haben (d.h. nicht Schüler desselben Lehrers), Vergleich einer Sunna mit einer anderen und Vergleich des Hadithtextes mit wohlbekannten historischen Ereignissen.  



Footnotes:

[1] Mustafa Muhammad Azami, Studies in Hadeeth Methodology and Literature (Indianapolis, IN: American Trust Publications, 1977), p. 48.

[2]Abdul Hamid Siddiqui, trans. and commentator, Sahih Muslim (Lahore, Pakistan: Sh. Muhammad Ashraf, 1972), vol. 3, pp. 1175‑6.

[3] Ibid., vol. 4, p. 1405.

[4] Azami, Methodology, pp. 52‑58.

[5] Azami, Methodology, p. 56.

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