Iman Yusuf, Ex-Katholikin, USA (teil 2 von 4)

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Ferner kam ich zum Schluss, dass der Weg Gottes für alle Menschen sein müsse, für alle Zeiten.  Keiner ist besonders, keiner auserwählt und keiner ausgeschlossen.  Weder von denen, die jetzt leben, noch von denen, die vor uns dahingegangen sind, noch diejenigen, die uns nachfolgen werden.  

Ich konnte nicht an einen gnädigen Gott glauben, Der Seine Religion nicht für die gesamte Menschheit bekannt gemacht hätte.  Irgendwie, ganz am Anfang, bei der Schöpfung Adams, musste es ein "Geheimnis" geben.  Irgendetwas, das ich ganz am Anfang übersehen hatte, war der Schlüssel zu allem. 

Es gab Probleme in meiner Familie.  Mein Bruder, der jünger war als ich, war bereits Alkoholiker.  Er war mental instabil und neigte zu Wutanfällen.  Meine Mutter schlug sich aber bei jeder Konfrontation immer auf seine Seite. Ich war außerordentlich gestresst.  Ich musste das Kollege verlassen, weil ich mich nicht richtig auf meine Studien konzentrieren konnte. 

Ich haste auch, meine Tochter im Kindergarten lassen zu müssen, um am Unterricht teilzunehmen.  Ich wollte ganz für sie da sein.  Meinem Großvater ging es Tag für Tag schlechter – eines Morgens nachdem meine Mutter zur Arbeit gegangen war, setzte er seinen Sessel in Brand, weil seine Zigarre zwischen die Sessel gefallen war. 

Ich dachte, ich träume, als ich den Rauchmelder des Hauses brummen hörte.  Selbst der beißende Geruch des Rauchs weckte mich nicht auf.  Die "Mommy, Mommy" – Rufe meiner Tochter aus ihrem Kinderzimmer holten mich schließlich aus dem Bett. 

Ich öffnete die Tür meines Schlafzimmers zu einem Haus voller Rauch.  Ich nahm sie aus dem Bettchen, weckte meinen Bruder und wir verließen das Haus.  Die Feuerwehr kam, aber zu der Zeit hatte mein Bruder bereits den glimmenden Sessel in den Hof getragen.

Er hatte erst meinen Großvater aus dem Weg räumen müssen, denn er saß davor auf dem Boden und versuchte, den Sessel zu löschen, indem er den Stuhl mit einer Messlatte schlug.  Es war offensichtlich, dass mein Großvater jetzt mehr Aufsicht benötigte, als jeder von uns leisten konnte. 

Da fing meine Mutter an, ernsthaft daran zu denken, ihn in ein Pflegeheim zu schicken.  Und so wurden meine "Dienste" nicht mehr gebraucht.  Sie teilte mit unmissverständlich mit, dass ich ausziehen müsse.  Es gab keinen Platz mehr in ihrem Leben für mich oder meine Tochter...

Ohne Großvater, um den sich gekümmert werden muss, und mit meinem Bruder, der sich meistens außerhalb betrank, fand meine Mutter, dass sie mehr Zeit mit ihrem Freund verbringen wolle.  Sie fühlte, es sei an der Zeit, "das Leben zu leben, das sie wollte". 

Ich war geschockt.  Mein Ehemann und ich waren noch im Prozess der Scheidung.  Ich konnte keine Sozialunterstützung erhalten, weil ich noch mit ihm verheiratet war. Wenn ich es versucht hätte, hätten sie sich zuerst wegen dem Unterhalt an ihn gewendet – etwas von dem ich keinen Penny je sah. 

Er drohte mir, wenn ich versuchte, Unterhalt für unsere Tochter von ihm zu erhalten, dann würde er um das Sorgerecht kämpfen.  Seine Freundin stand hinter ihm, drängte ihn noch.  Ich wußte nicht, wie ich überleben sollte, bis ich eine Arbeit fand.  Und dies bedeutete wieder, mein Kind in einen Kindergarten zu stecken. 

Es war beängstigend, sich so allein zu fühlen und ohne Lösung in Aussicht.  Ich fing an, mich zu fühlen, als sei ich die einzige gesunde Person zwischen lauter Irren, auch wenn ich auch das manchmal anzweifelte. 

Ich fühlte mich, wie ein quadratischer Pfeiler, der in ein rundes Loch gehämmert wurde.  Ich schien einfach nicht in die Familie zu passen, seitdem meine Großmutter verstorben war und ich wurde langsam aus ihrer Einheit ausgestoßen.  Verzweifelt wandte  ich mich wieder zu Gott und flehte um Antworten auf meine Probleme.  

Eines Tages befand ich mich allein zuhause.  Meine Tochter war mit ihrem Vater und meine Mutter und mein Bruder waren woanders.  In der Stille meines Schlafzimmers hatte ich das starke Bedürfnis zu beten.  Aber wie ?  Ich stand in der Mitte des Raumes und wusste nicht einmal, wo ich beginnen sollte.    

Ich stand, als würde ich horchen, versuchen, etwas Rechtleitung in dieser einfachen Angelegenheit des Gebets zu erhalten.  Mir kam die Idee, wenn ich mit Gott sprach, dann musste ich rein sein.  Wie von einer fremden Kraft getrieben, eilte ich ins Badezimmer um zu duschen.  Ich duschte mich vom Kopf bis zu den Zehen. 

Zurück in meinem Zimmer stand ich wieder, auf etwas wartend – oder auf jemanden – der mir sagte, was ich als nächstes tun solle.  Wieder wurde ich zu der Antwort geführt – ich fühlte das Bedürfnis, mich zu bedecken – vollständig. 

Ein langärmliges, knöchellanges Kleid anzuziehen, reichte nicht.  Ich fühlte, ich müsse meine Haare ebenfalls bedecken.  Ich wickelte ein langes Tuch um meinen Kopf und starrte in den Spiegel – ich war zufrieden mit meiner Erscheinung.  Und auch wenn ich keine Vorstellung davon besaß, was ein Muslim ist oder wie er sich bekleidet, trug ich da im Grunde das Hijab.    

Jeder, der den Islam kennt, h'tte gedacht, ich sei ein Muslim, der sich auf das Gebet vorbereitet.  Aber gepriesen sei Gott, zu jener Zeit wusste ich überhaupt nichts vom Islam. 

So hatte ich mich für das Gebet gekleidet und hatte noch immer keine Vorstellung davon, was ich als nächstes tun solle.  Ich drehte mich zum Fenster und stand einfach da, schaute nach draussen in den sonnigen Tag.  Was nun?  Ich wollte nicht knien - das war zu sehr wie in der Kirche. 

Ich wollte mich demütig zeigen vor Ihm, suchte eine Stellung, die meine vollständige Unterwürfigkeit zu meinem Schöpfer ausdrückte (merke dir das Wort Unterwürfigkeit – das ist wichtig).  Die einzige Idee die ich hatte, war mich flach auf den Boden zu legen.

Wieder kamen Bilder aus der Kirche in den Sinn, wenn sogenannte Priester und Nonnen ihren Eid ablegten, flach auf dem Boden liegend, die Arme zu den Seiten ausgebreitet, im Grunde die Form eines Kreuzes.  So sehr ich mich auch vor meinem Schöpfer demütig zeigen wollte, ich wusste einfach nicht, wie ich es tun sollte. 

Letztendlich kam ich auf den Gedanken, dass ich mich auf meine Knie niederknien und mein Gesicht auf den Boden legen musste.  Bevor ich dies allerdings tat, dachte ich, der Boden sei vielleicht nicht sauber genug, obwohl mein Schlafzimmer sauber war, fühlte ich den Bedarf, mich auf etwas Reinem niederzuwerfen. 

Neben mir auf dem Bett meiner Tochter war ein kleines Deckchen, das ich für ihren Kinderwagen gehäkelt hatte.  Sie hatte, wie ich später feststellte, genau die gleiche Größe wie ein islamischer Gebetsteppich.  Und es war gerade frisch gewaschen!  Da nahm ich das Deckchen und legte es vor mir auf den Teppich. 

Und erstaunlicherweise lernte ich später, dass dies genau die Richtung der Kabah war, der Richtung in die die Muslime beten.  Befriedigt, dass alles gut war, ließ ich mich auf die Knie fallen, dann ließ ich meinen Oberkörper auf meine Hände nieder und legte mein Gesicht auf den Boden.    

Ich bekomme Tränen in den Augen und ein Schauer durchfährt mich, wenn ich mich an diesen Tag erinnere.  Wenn ich mir mich selbst in diesem Zimmer vorstelle, in dieser Position und sehe, dass ich exakt genau wie eine Muslima bekleidet gewesen bin.  Subhan Allah (Allah ist weit entfernt von jeglicher Unvollkommenheit) wie gnadenvoll Gott doch war, mir diesen Weg zu weisen! 

In dieser Position f[hlte ich, als h'tte ich eine Verbindung zu Gott, ich weinte und flehte Ihn an, wieder und wieder, mir den Weg zu zeigen, wie Er wollte, dass ich glaube... die Art wie ich Leben sollte.

Die Tränen hörten nicht auf.  Ich fühlte mich schließlich so, als hätte ich an jenem Tag eine große Wahrheit gefunden.  Ich brauchte nur die Leerzeichen aufzufüllen.  Und dank der Rechtleitung und der Gnade meines gloreichen Herrn würde ich bald alle Antworten finden. 

Da meine Mutter noch immer an ein Pflegeheim für meinen Großvater dachte und ich noch immer gezwungen war, nach einem neuen Platz zum Leben zu suchen, kam Thanksgiving auf uns zu und ich war noch immer zuhause.

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