Katherine Bullock, Ex-Christin, Canada

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Beschreibung: Eine gebildete Frau kämpft zwischen dem, was sie über den Islam gehört hat und dem, was Islam wirklich ist und der tatsächlichen Existenz Gottes.

Was tue ich hier unten?  Das frage ich mich, als ich mit der Nase und der Stirn auf dem Boden gedrückt im Gebet knie.  Meine Kniescheiben schmerzen, meine Armmuskeln sind angespannt und ich versuche, den Druck auf meine Stirn zu halten.  Ich höre den fremden Äußerungen von der Person, die neben mir betet, zu.  Es ist arabisch, und sie verstehen, was sie sagen; auch wenn ich es nicht verstehe.  So.  Ich spreche in meinen eigenen Worten, in der Hoffnung, Gott wird mir wohlgesonnen sein; einem Muslim, erst 12 Stunden alt.  OK.  Gott, ich habe den Islam angenommen, weil ich an Dich glaube und weil der Islam einen Sinn ergibt.  Habe ich das wirklich gesagt?  Ich erwische mich selbst, breche in Tränen aus.  Was würden meine Freunde sagen, wenn sie mich so sehen würden; kniend, die Nase auf den Boden gedrückt?  … Sie würden über mich lachen.  ´Hast du deinen Verstand verloren?´ würden sie fragen.  Du kannst uns nicht ernstmachen, dass du religiös bist.  Religiös… Ich war früher ein glücklicher, ´spekulativer Atheist´ gewesen; wie konnte ich zu einem Gläubigen und dann noch zu einem Muslim werden?  Ich erinnere mich zurück und versuche, wie ein Wirbelwind meine Reise Revue passieren zu lassen.  Aber wo hatte sie begonnen?  Möglicherweise als ich zum ersten Mal praktizierende Muslime getroffen habe.  Das war 1991 an der Queen’s University, Kingston, Ontario, Canada, gewesen.

Ich war eine offene, tolerante, liberale Frau, 24 Jahre alt.  Ich sah muslimische Frauen um das Internationale Zentrum herum gehen und hatte Mitleid mit ihnen.  Ich wusste, dass sie unterdrückt werden.  Mein Kummer verstärkte sich, als ich sie fragte, warum sie ihre Haare bedeckten, warum sie im Sommer lange Ärmel trugen, warum sie in muslimischen Ländern so schlecht behandelt werden; und sie antworteten mir, dass sie das Kopftuch tragen und sich so bekleiden, weil Gott es so von ihnen verlangt.  Arme Dinger.  Und was war damit, dass sie in muslimischen Ländern so schlecht behandelt werden?  Das ist Kultur, antworteten sie.  Ich wusste, dass sie von klein auf getäuscht, sozialisiert und einer Gehirnwäsche unterzogen worden waren, an diese böse Art, Frauen zu behandeln, zu glauben.  Aber mir fiel auf, wie glücklich sie waren, wie freundlich sie waren, wie gefestigt sie zu sein schienen.  Ich sah muslimische Männer um das Internationale Zentrum gehen. 

Da gab es sogar einen Mann aus Libyen – dem Land der Terroristen.  Ich zitterte, wenn ich sie sah, dass sie mir im Namen Gottes etwas antun.  Ich erinnerte mich an Massen wütender arabischer Männer, die Bildnisse von Präsident Bush verbrannten  - alles im Namen Gottes.  Was für einen Gott mussten sie haben, dachte ich.  Arme Dinger, dass sie an Gott glaubten, fügte ich hinzu, ich war mir sicher, dass Gott eine anthropomorphe Projektion für uns schwachen Menschen war.  Aber ich stellte fest, dass diese Männer sehr freundlich waren.  Ich bemerkte, wie hilfsbereit sie waren.  Ich erkannte eine Aura der Ruhe.  Was für einen Glauben müssen sie haben, dachte ich.  Aber es war mir ein Rätsel.  Ich hatte den Qur´an gelesen und hatte nichts besonderes darin entdeckt.  Das war, bevor der Golfkrieg ausgebrochen war.  Was für ein Gott würde Männer davon überzeugen, in den Krieg zu ziehen, um unschuldige Bürger eines anderen Landes zu töten, Frauen zu vergewaltigen, gegen die US zu demonstrieren? 

Ich entschloss mich, das Heilige Buch zu lesen, auf dessen Grundlage sie behaupteten, zu handeln.  Ich las ein Penguin Classic, sicherlich ein vertrauenswürdiges Buch, aber ich konnte es nicht beenden, so sehr verabscheute ich es.  Hier gab es ein Paradies mit Jungfrauen für die Rechtschaffenen (was hat eine rechtschaffene Frau mit einer Jungfrau im Paradies zu tun?), hier gab es einen Gott, Der ganze Städte auf einen Schlag zerstörte. 

Kein Wunder, die Frauen werden unterdrückt und diese Fanatiker stürmen herum und verbrennen die Flagge der US, dachte ich. Aber die Muslime schienen verwirrt.  Ihr Qur´an sprach nicht auf diese Weise von den Dingen.  Vielleicht besaß ich eine schlechte Übersetzung?    

Plötzlich stand die betende Person, der ich folgte, auf.  Ich stand ebenfalls auf, meine Füße verfingen sich in dem langen Hemd, das ich trage; beinahe wäre ich gestolpert.  Ich schniefe, versuche, die Tränen aufzuhalten.  Lieber Gott, ich bin hier, weil ich an Dich glaube und weil bei meiner Erforschung des Christentums, Judentums, Hinduismus, Sikhismus und Buddhismus, der Islam am meisten Sinn ergeben hat.

Ich beuge mich, die Hände an meinen Knien, ich strenge mich an, mich zu beruhigen.  Gott.  Bitte hilf mir, ein guter Muslim zu sein.  Ein Muslim!  Kathy, wie konntest du – eine weiße, westliche Frau, die gebildet ist – konvertiert zu einer Religion, die Frauen zu Menschen zweiter Klasse macht!

Aber Kingstons Muslime wurden meine Freunde, ich fühlte mich seltsam.  Sie haben mich in ihrer Gemeinschaft herzlich willkommen geheißen, ohne Fragen zu stellen.  Ich vergaß, dass sie Unterdrückte und Terroristen waren. Es scheint der Beginn meiner Reise zu sein.  Doch ich war immer noch Atheist.  Oder etwa nicht?    

Ich hatte die sternenklare Nacht betrachtet und über das Universum nachgedacht.  Die Sterne funkelten wie Diamanten am dunklen Himmel, als hätten sie geheimnisvolle Botschaften für mich.  Ich sehnte mich nach etwas Größerem als mir selbst.  War es ein kollektives menschliches Bewusstsein?  Frieden und Ruhe durchströmten mich von den Sternen.  Konnte ich mich diesem Gefühl entwinden und erklären, dass es kein höheres Wesen gab?   Kein höheres Bewusstsein?  Hast du nie die Existenz Gottes angezweifelt?  Das fragte ich meine christlichen und muslimischen Freunde.  Nein, antworteten sie.  Nein?  Das verwirrte mich. 

War Gott denn so offensichtlich?  Wieso konnte ich Gott nicht sehen?  Es schien meine Vorstellungskraft zu sehr zu strapazieren.  Ein Wesen da draußen, das die Art wie ich lebe bestimmt.  Wie konnte Gott den Milliarden Menschen, die beten, zuhören und mit jeder Sekunde des Lebens einer Person vertraut sein?  Es ist unmöglich.  Vielleicht ein Erster Auslöser, aber Einer, der eingreift?  Und was ist mit der ständigen Ungerechtigkeit in der Welt?  Kinder, die im Krieg sterben.  Ein gerechter, guter Gott würde dies nicht erlauben.  Gott ergibt keinen Sinn.  Gott konnte nicht existieren.  Außerdem haben wir uns entwickelt, damit hat sich die erste Ursache auch erledigt. 

Wir knien wieder nieder, und hier bin ich, schniefend, seitwärts auf meinen grünen, neuen Gebetsteppich blickend.  Ich mag meinen Gebetsteppich.  Er ist so samtig und hat ein paar meiner Lieblingsfarben: eine lila Moschee auf grünem Hintergrund.  Da gibt es einen Weg, der zum Eingang der Moschee führt und er winkt mir zu.  Der Eingang zu der Moschee scheint die Wahrheit zu enthalten, sie ist schwer erfassbar, aber sie ist da.  Ich bin glücklich, zu diesem Eingang gezogen worden zu sein. 

Als ich noch viel jünger gewesen war, hatte ich ein völliges Schwarz-Weiß-Bild von der Welt gehabt.  Es zerfiel irgendwann im dritten oder vierten Jahr meines Bachelor-Studiums.  In Kingston hatte ich mich daran erinnert, dass ich einst ein regelmäßiger Kirchengänger gewesen war; irgendwie war ich verlegen, weil ich nun religiöse Menschen als schwammige, urige, langweilige, altmodische Menschen betrachtete.  Aber Gott schien damals für mich selbstverständlich zu sein.  Das Universum machte ohne einen Allmächtigen Schöpfer keinen Sinn. 

Wenn ich aus der Kirche kam, hatte ich immer ein Gefühl der Leichtigkeit und der Freude verspürt.  Den Verlust dieses Gefühls bemerkte ich.  Konnte es sein, dass ich einst eine Verbindung zu Gott gehabt hatte, die nun verschwunden war?  Möglicherweise war dies der Beginn meiner Reise gewesen?  Ich versuchte, wieder zu beten, aber ich fand das außerordentlich schwierig.  Christen erzählten mir, dass Menschen, die nicht an den Herrn Jesus Christus glaubten, verloren seien.  Was war denn mit den Menschen, die niemals von Jesus gehört haben?  Oder mit Menschen, die ihrer eigenen Religion folgten?  Und die Gesellschaft behauptete seit der Geschichte, dass Frauen minderwertig seien, weil das Christentum uns weismachen wollte, dass es Evas Strafe sei; Frauen waren vom Studieren, Wählen und Besitzen von Land ausgeschlossen.    Gott war ein furchterregender Mann mit einem langen weißen Bart.  Ich konnte mit Ihm nicht sprechen.  Ich konnte dem Christentum nicht folgen, daher konnte Gott nicht existieren.

Aber dann entdeckte ich Feministen, die an Gott glaubten; christliche Frauen, die Feministen waren und muslimischen Frauen, die glaubten, dass der Islam vieles nicht dulde, von dem ich dachte, es sei integraler Bestandteil ihrer Religion.  Da fing ich an, zu beten und mich selbst als eine ‘post-christliche feministische Gläubige’ zu bezeichnen.  

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