Repräsentieren alle Muslime den Islam? (teil 2 von 3): Der Islam verlangt Gerechtigkeit, auch in Bedrohung

Site Team

Der Versuch, die Menschen davon zu überzeugen, dass Muslime keine Terroristen sind oder dass muslimische Frauen nicht unterdrückt werden oder dass nicht alle Muslime den Islam repräsentieren, wird zunehmend schwieriger.  Bei eine muslimischen Mann mit einem buschigen Bart wird davon ausgegangen, dass er einen Angriff plant – auf irgendetwas.  Wenn eine muslimische Frau sich dafür entscheidet, sich anständig zu bekleiden, wird ganz selbstverständlich angenommen, dass sie dazu gezwungen wird, derartige Kleidung zu tragen.  Auch wenn man kaum eine Zeitung in die Hand nehmen oder die Nachrichten sehen kann, ohne etwas über den Islam oder Muslime zu hören, handelt es sich für gewöhnlich um eine grobe Missinterpretation oder Missrepräsentation. 


Zu dieser brisanten Mischung kommt der Muslim selbst, manchmal sind die Muslime ihre eigenen schlimmsten Feinde.  Sie sprechen häufig ohne Wissen oder ohne auch nur die Auswirkungen ihrer Worte abzuwägen.  Manchmal reagieren Muslime ohne auf das größere Bild zu achten.  Oft reagieren sie auf die Missverständnisse ohne sich darüber klar zu werden, dass ihr Verhalten manchmal die verkehrten Vorstellungen bestätigt.  Nicht alle Muslime repräsentieren den Islam. 


Wir leben in interessanten Zeiten und nach einem alten chinesischen Sprichwort oder vielleicht einem westlichen Doktor, ist dies alles andere als ein Segen.  Muslime nennen eine solche Zeit  Fitna (Prüfungen und Leiden).  Das Leben rauscht vorbei, winkt uns ins Unbekannte, aber auf eine seltsame Art und Weise, wurde schon alles einmal zuvor getan.  Dies ist nicht das erste Mal in der Geschichte, dass die Muslime unter den Auswirkungen von Lügen und Missrepräsentationen zu leiden haben.  Auch wenn die Lügen und die Missverständnisse sich noch so hoch stapeln, die Wahrheitssuchenden dieser Welt haben einen Weg, wie sie das Gold vergraben im Schmutz finden werden.  Der Islam ist wie dieses Gold, es kann ruhig liegen und es verliert nichts von seiner Schönheit, wenn es dies tut. 


Die weitaus größere Bedrohung für Muslime und die muslimische Lebensweise ist der "Krieg dem Terror" und das nachfolgende Dämonisieren der Muslime.  Der Hauptstrom der Medien konzentriert sich auf das schlechte Verhalten von Muslimen, die allzu oft nicht viel von ihrer Religion verstehen.  Die überwiegende Mehrheit der 1,6 Milliarden Muslime auf dieser Welt verurteilen Terrorakte und ungerechtfertigtes Ermorden unschuldiger Zivilisten; genau wie die Mehrheit der muslimischen Gelehrten und Führer es tun, doch leider wird die Religion des Islam fast immer mit dem Denken und Verhalten von Kriminellen in Verbindung gebracht. 


Das Fehlverhalten von Muslimen wird oft dafür benutzt, um Hass auf unschuldige Muslime oder auf die Religion des Islam selbst zu rechtfertigen oder zu schüren.  Immer wieder werden Verse aus dem Qur´an aus dem Zusammenhang gerissen und von Kriminellen wird behauptet, sie folgten den islamischen Dogmen, wohingegen in Wirklichkeit nichts von der Wahrheit weiter entfernt sein könnte.  Um den Standpunkt des Islam zur Gewalt zu verstehen, muss man sich die Originalquellen ansehen, den Qur´an und die authentischen Überlieferungen des Propheten Muhammad, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm.  Es ist nicht machbar, einen Vers vom Qur´an zu nehmen, und seine Bedeutung abzuleiten, ohne den Vers davor und den Vers danach anzusehen.  Völliges Verständnis der Tiefe und der Feinheit des Qur´an ist nur möglich, wenn man den historischen Zusammenhang und den Grund für die Offenbarung versteht und auch über tieferes Wissen über das Leben des Propheten Muhammad verfügt.


Was genau sagt also der Islam über Krieg und Gewalt?

Der Islam ist eine von Gott zum Nutzen der Menschheit offenbarte Religion und sie verbietet es völlig, unschuldigen Menschen in irgendeiner Weise zu schaden.  Dies beinhaltet ihre Körper, ihren Besitz und ihre Ehre.  Der Islam lehrt den Muslimen, jeden, unabhängig von seiner Religion, ethnischen Zugehörigkeit, Farbe oder seinem sozialen Status, mit Respekt und Freundlichkeit zu behandeln.  Der Islam verbietet Unterdrückung und schützt die Rechte, und er befiehlt den Muslimen, in Frieden und Harmonie zusammen zu leben und sogar gegenüber ihren Feinden und im Krieg Gerechtigkeit walten zu lassen.  Es ist nie gestattet, eine Person zu töten, die nicht feindselig ist oder einen Friedensvertrag besitzt. 

  

"Gott verbietet euch nicht gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren; wahrlich Gott liebt die Gerechten." (Quran 60:8)


Als der Prophet Muhammad seine Gefährten in den Krieg schickte, sagte er: "Zieht aus im Namen Gottes und tötet keinen alten Mann, kein Baby, kein Kind und keine Frau.  Verbreitet das Gute und tut Gutes, denn Gott liebt die Gutes Tuenden."[1]  "Tötet keine Mönche in Klöstern." oder "Tötet keine Menschen, die an Orten des Gottesdienstes sitzen."[2]  Einmal nach einer Schlacht sah der Prophet den Leichnam einer Frau am Boden und sagte: "Sie hat nicht gekämpft.  Wie wurde sie getötet?"


Diese Art des Verhaltens in Kriegszeiten wurde von Abu Bakr, dem Führer der islamischen Nation nach dem Propheten Muhammad, noch mehr betont.  Er sagte: „Ich befehle euch zehn Dinge.  Tötet keine Frauen, Kinder oder ältere, gebrechliche Person.  Schneidet keine Früchte tragenden Bäume.  Zerstört keine bewohnten Orte.  Schlachtet keine Schafe oder Kamele, außer zum Essen.  Verbrennt keine Bienen und zerstreut sie nicht.   Stehlt nicht von der Beute und seid nicht feige."


Wenn ein Feind den Muslimen Schaden zufügt, oder sie aus ihren Häusern und ihrer Heimat vertreibt, dann werden die Muslime von Gott dazu aufgefordert, sich dagegen zu wehren, doch selbst unter der Bedrohung muss ein Muslim gerecht bleiben.


"Und kämpft auf dem Weg Gottes gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht. Wahrlich, Gott liebt nicht diejenigen, die übertreten. … Und kämpft gegen sie, bis es keine Verwirrung (mehr) gibt und die Religion Gott gehört. Wenn sie aber aufhören, so soll es keine Feindlichkeit geben außer gegen diejenigen, die Unrecht tun." (Quran 2:190-193)


"O ihr, die ihr glaubt! Setzt euch für Gott ein und seid Zeugen der Gerechtigkeit. Und der Haß gegen eine Gruppe soll euch nicht (dazu) verleiten, anders als gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist der Gottesfurcht näher. Und fürchtet Gott; wahrlich, Gott ist eures Tuns kundig." (Quran 5:8)


Die Botschaft des Qur´an ist deutlich.  Das Nehmen von Leben, eines jeden Lebens, ungerechtfertigt, ist eine große Sünde.  Sowohl der Qur´an als auch die authentischen Lehren des Propheten Muhammad, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, sind durchtränkt von einem überwältigenden Sinn für Gerechtigkeit und Vergebung.  Die Botschaft des Islam richtet sich an alle Menschen und der Islam fordert Gnade und Weisheit in allen Beziehungen, sogar in Kriegszeiten.  Wenn Gräueltaten begangen werden, die dem Glauben und den Lehren des Islam trotzen, dann ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass nicht alle Muslime den Islam repräsentieren.  


"Deshalb haben Wir den Kindern Israels verordnet, daß, wenn jemand einen Menschen tötet, ohne daß dieser einen Mord begangen hätte, oder ohne daß ein Unheil im Lande geschehen wäre, es so sein soll, als hätte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, es so sein soll, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten." (Quran 5:32)



Fußnoten:

[1] Abu Dawud

[2] Imam Ahmad

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