Tauhid al-Asma was-Sifat (Die Aufrecht-erhaltung der Einheit Allahs in den Namen und Eigenschaften)

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Diese Kategorie des Tauhid hat fünf Hauptaspekte :

 

1. Um hier im ersten Aspekt die Einheit in den Namen und Eigenschaften Allahs aufrechterhalten zu können, muss man Allah auf die Weise verstehen, so wie Er und Sein Prophet, Friede und Heil auf ihm, Ihn beschrieben haben. Dieses Verständnis erfolgt derart, ohne dabei Seine Namen und Eigenschaften wegzuinterpretieren, indem man diesen Namen und Eigenschaften andere Bedeutungen beimisst als deren offensicht­liche Bedeutung.

Beispielsweise sagt Allah im Qur’an, dass Er über die Glaubensverweigerer und die Heuchler zürnt.

Er sagt: „und (auf daß Er) die Heuchler und Heuchlerinnen und die Götzen­diener und Götzendienerinnen bestrafe, die üble Gedanken über Allah hegen. Auf solche (Sünder) wird ein böses Unheil niederfallen; und Allah ist zornig auf sie; und Er hat sie verflucht und die Hölle für sie bereitet. Und das ist eine üble Bestimmung.“ [Sura Al-Fath:6]

Deswegen ist Zorn einer der Eigenschaften Gottes. Es ist nicht passend zu sagen, dass Sein Zorn Seine Strafe bedeuten muss. Da Zorn ein Zeichen menschlicher Schwäche ist, angeblich zu Allah als solcher nicht passend, wird er von manchen Menschen weginterpretiert. Was Allah über sich sagt, sollte auch genauso unter der Voraussetzung angenommen werden, dass Sein Zorn nicht wie der menschliche Zorn ist, gemäß folgender Aussage Allahs: „Es gibt nichts Seinesgleichen; und Er ist der Allhörende, der Allsehende.“ [Sura As-Schura:11]

Der Prozess der sogenannten „rationalen“ Interpretation resultiert letztendlich in der Verneinung Gottes wirklicher Existenz, wenn man die logische Schlussfolgerung dieser Interpretation betrachtet. Da Allah sich selber als lebend beschreibt und der Mensch auch lebt, müsste man aufgrund der Argumenta­tionsweise der Rationalisten Gott weder als lebend noch als existierend annehmen. Tatsache ist, dass die Ähnlichkeit zwischen Gottes Eigenschaften und denen der Menschen sich nur auf die Bezeichnung beschränkt, in ihrer Art aber nichts gemeinsames aufweisen. Wenn Attribute in Beziehung zu Gott verwendet werden, so sind diese in der absoluten Bedeutung anzunehmen, frei von menschlichen Schwächen.

 

2. Der zweite Aspekt des Tauhid al-Asma was-Sifat beinhaltet, dass man Allah so versteht, so wie Er Sich selber erwähnt, ohne Ihm dabei neue Namen oder Eigenschaften zu geben. Beispielsweise darf man Allah nicht den Namen Al-Ghadib ( Der Zornige) geben, trotz der Tatsache, dass Er nach eigener Aussage auch zürnt, weil weder Allah noch Sein Gesandter diesen Namen benutzt haben. Dies erscheint vielleicht als ein sehr feiner Punkt, aber welcher vonnöten ist, um falschen Beschreibungen bezüglich Gott vorzubeugen. Der begrenzte Mensch ist sozusagen nicht in der Lage den unbegrenzten Herrn der Schöpfung zu bestimmen.

 

3. Im dritten Aspekt des Tauhid al-Asma was-Sifat ist Allah so zu verstehen, ohne dass man Ihm Eigenschaften Seiner Schöpfung beimisst. Beispielsweise wird in der Bibel und der Tora behauptet, dass Allah die ersten sechs Tage mit dem Erschaffen des Universums verbrachte, danach am siebten Tag ruhte.[1] Aus diesem Grund nehmen Juden und Christen entweder Samstag oder Sonntag als einen Ruhetag an, in welchem Arbeit als eine Sünde angesehen wird. Durch so eine Behauptung wird Gott die Eigen­schaften Seiner eigenen Schöpfung zugeteilt. Es ist der Mensch, welcher nach einer schweren Arbeit müde wird und zu schlafen hat, um sich zu erholen.[2]

 

Woanders in der Bibel und Tora wird Gott derart geschildert, als würde Er Seine bösen Gedanken bereuen. Genauso wie Menschen, wenn sie ihre Fehler begreifen.[3]

Ähnlich zerstört auch der Anspruch, dass Gott ein Geist sei oder eine Seele habe, komplett diese Perspektive des Tauhid. Allah beschreibt sich nirgendwo im Qur’an als eine Seele noch drückt der Prophet, Friede und Heil auf ihm, irgendwo diese Charakteristika in den Hadithen aus. Vielmehr beschreibt Allah die Seele als ein Teil Seiner Schöpfung.[4]

 

Das Hauptprinzip, welches bei der Hand­habung der Eigenschaften Allahs verfolgt werden sollte, ist folgende qur’anische Formel: „Es gibt nichts Seinesgleichen; und Er ist der Allhörende, der Allsehende.“ [Sura As-Schura:11] Die Eigenschaften des Hörens und Sehens gehören zu den menschlichen Eigen­schaften, aber wenn diese Gott zugeschrieben werden, dann sind sie ohne Ähnlichkeit in ihrer Perfektion. Wenn jedoch diese Attribute mit dem Menschen in Verbindung gebracht werden, so brauchen diese Ohren- und Augenapparate, welche Gott nicht zuge­schrieben werden können. Das, was der Mensch über seinen Schöpfer weiss, ist das, was Er an Geringem über Seine Propheten offenbart hat. Deshalb ist der Mensch verpflichtet, innerhalb dieser engen Grenzen zu bleiben. Wenn der Mensch seinem Intellekt in der Beschreibung Gottes freien Lauf gibt, dann ist er dafür verantwortlich Fehler zu begehen, indem er Allah Eigenschaften Seiner eigenen Schöpfung zuschreibt.

 

Aufgrund ihrer Liebe zu bildlichen Repräsentationen haben Christen unzählige Menschenbilder gemalt, geschnitzt und geformt und diese Abbilder Gottes genannt. Dies hat dazu geführt, den Weg zur Akzeptanz der Göttlichkeit Jesu unter den Massen zu ebnen. Nach der Aufnahme des Konzeptes, dass der Schöpfer wie ein menschliches Wesen sein kann, stellte es kein Problem mehr dar, Jesus als Gott anzunehmen.

 

4. Der vierte Aspekt des Tauhid al-Asma was-Sifat erfordert, dass dem Menschen nicht die Eigenschaften Allahs zugeteilt werden. Beispielsweise nimmt im Neuen Testament Paul die Figur des Melchizedek, König von Salem, aus der Tora (Genesis 14:18:20) und teilt ihm und Jesus göttliche Attribute zu, und zwar die „ohne Anfang und ohne Ende“.

 

„Dieser Melchizedek war König von Salem und Priester des höchsten Gottes. Als Abraham aus der Schlacht zurückkam, in der er die Könige besiegt hatte, ging ihm Melchizedek entgegen und segnete ihn. Da gab Abraham ihm den zehnten Teil von allem, was er erbeutet hatte.Melchizedek bedeutet eigentlich >König der Gerechtigkeit<. Weil er König von Salem war, heißt er auch >König des Friedens<. Man kennt weder seine Eltern noch seinen Stammbaum; seine Lebenszeit hat weder Anfang noch Ende. Er gleicht dem Sohn Gottes und bleibt Priester für alle Zeit.“[5]

 

„Auch Christus hat sich nicht selbst die Würde des Obersten Priesters gegeben, sondern Gott sagte zu ihm: >Du bist mein Sohn, heute habe ich dich dazu gemacht<; an einer anderen Stelle sagt er: >Du bist mein Priester, so wie Melchizedek, und du bleibst es für immer<.[6]

 

Die meisten schiitischen Sekten (mit der Ausnahme der Zaiditen in Jemen) haben ihren Imamen (Führer) göttliche Eigenschaften der absoluten Unfehlbarkeit,[7] wie Wissen über die Vergangenheit, Wissen über die Zukunft und Wissen über das Verborgene, gegeben. Ebenfalls schreiben sie ihren Imamen die Fähigkeit, das Schicksal zu verändern[8] zu, und dass sie Macht über die Atome der Schöpfung[9] haben. Indem sie dies tun, errichten sie Rivalen, welche an den einzigartigen Eigenschaften Gottes teilnehmen und offensichtlich Götter neben Allah werden.

 

►5. Die Aufrechterhaltung der Einheit in den Namen Allahs bedeutet auch, dass man Allahs Namen in bestimmter Form Seiner Schöpfung nicht geben kann, und zwar solange nicht, bis eine Vorsilbe „Abd“ vorausgeht, welche „Sklave des“ oder „Diener des“ bedeutet. Viele der göttlichen Namen in ihrer unbestimmten Form wie Ra’uf und Rahim sind zulässige Namen für Menschen, weil Allah manche von ihnen in Bezug auf den Propheten, Friede und Heil auf ihm, in ihrer unbestimmten Form benutzt hat:

 

„Wahrlich, ein Gesandter aus eurer Mitte ist zu euch gekommen; es schmerzt ihn sehr, wenn ihr unter etwas leidet; er setzt sich eifrig für euer Wohl ein; zu den Gläubigen gnadenvoll (Ra’uf) und barmherzig (Rahim).“ [Sura at-Tauba:128]

 

Doch Ar-Ra’uf (derjenige voller Erbarmen) und Ar-Rahim (der Barmherzige) können in Bezug auf den Menschen nur dann benutzt werden, wenn „Abd“ vorausgeht, so wie es bei Abdur-Ra’uf oder Abdur-Rahim der Fall ist, da diese in ihrer bestimmten Form eine Ebene der Perfektion repräsentieren, welche Gott allein gehört. Genauso sind Namen wie Abdur- Rasul (Diener des Gesandten), Abdun-Nabi (Diener des Propheten), Abdul-Husayn (Diener des Husayn), etc., wo sich Menschen als Diener anderer neben Allah nennen, nicht erlaubt. Auf diesem Prinzip basierend hat der Prophet (a.s.s.) den Muslimen verboten, sich an ihre Schützlinge mit Abdi (mein Diener) oder Amati (mein Dienstmädchen) zu wenden.[10]


 



[1] Genesis 2:2, „Am siebten Tag hatte Gott sein Schöpfungswerk vollendet und ruhte nach seiner Arbeit aus.“

[2] Als Gegensatz dazu sagt Allah im Qur’an: „Ihn ergreift weder Schlummer noch Schlaf.“ [Sura Al-Baqarah:255]

[3] Exodus 32:14, „Und Gott bereute das Böse das er zu seinen Leuten zu tun bedenkte.“ (Holy Bible, Revised Standard Version). Anm.: Nach der deutschen Übersetzung von Marthin Luther heisst es: “Also greute den Herrn das Übel, das er dräute seinem Volk zu tun.“

[4] Allah erklärt dies deutlich in den folgenden Versen: „Und sie befragen dich über die Seele. Sprich: "Die Seele ist eine Angelegenheit meines Herrn; und euch ist vom Wissen nur wenig gegeben." [Sura Al-Isra':85]

[5] Hebrews 7:1-3 (Holy Bible, Revised Standard Version).

[6] Hebrews 5:5-6 (Holy Bible, Revised Standard Version).

[7] Muhammad Rida al-Muzaffar sagt in seinem Buch Faith of Shi’a Islam (Der Glaube im schiitischen Islam) (U.S.A.: Muhammadi Trust of Great Britain and Northern Ireland, Aufl. 2 1983.): “Wir glauben daran, dass ein Imam wie der Prophet unfehlbar sein muss, dies bedeutet, dass er unfähig ist Fehler zu begehen oder etwas falsch zu machen, weder von innen noch von außen, von seiner Geburt bis zu seinem Tod, sei es absichtlich oder unabsichtlich. Dies deswegen, weil die Imame die Erhalter des Islams sind und der Islam wird von ihnen bewahrt.“ (S. 32). Siehe auch Islam von Sayed Said Ahtar Rizvi (Teheran: A Group of Muslim Brothers, 1973), S. 35.

[8] Al-Muzaffar erzählt weiter: „ Wir glauben, dass die Macht der Imame Inspirationen zu erhalten, die höchsten Stufen der Exzellenz erreicht haben. Und wir sagen, dass es eine von Gott gegebene Kraft ist. Dies bedeutet, dass der Imam fähig ist, Informationen über alles zu verstehen, überall und zu jeder Zeit hat. Er versteht sofort mit diesen von Gott gegebenen Mitteln, ohne Zuhilfenahme von jeglicher Führung von Lehrern und ohne Rückgriff auf methodologische Beweise.

[9] Al-Khomeini sagt: „Wahrlich, der Imam hat eine respektvolle Position, einen erhabenen Rang, das Kalifat und oberste Gewalt und Macht über alle Atome der Schöpfung.“ (Ayatullah Musavi al-Khomeini, al Hukumah al- Islamiyah, (Beirut: at-Taliah Press, Arabische Auflage, 1979), S. 52).

[10] Berichtet von Abu Dawud in seiner Hadithsammlung "Sunan Abi Dawud".

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