Wahrsagen (teil 1 von 3)

Site Team

Es gibt unter den Menschen solche, die behaupten, Wissen über die Verborgenheit und die Zukunft zu besitzen.  Sie sind unter verschiedenen Namen bekannt, unter anderen: Wahrsager, Handleser, Magier, Prognostiker, Orakel, Astrologe, Kartenleser, etc.  Wahrsager benutzen unterschiedliche Methoden und Medien, von denen sie behaupten, ihre Informationen zu bekommen: Teeblätter lesen, Linien zeichnen, Ziffern schreiben, aus der Hand lesen, Horoskope, Kristallkugeln, mit Knochen klappern, Stöcke werfen, etc. 


Anwender okkulter Künste, die den Anspruch erheben, das Verborgene zu enthüllen und die Zukunft vorherzusagen, können in zwei Hauptkategorien unterteilt werden:


1.    Diejenigen, die kein wirkliches Wissen oder Geheimnisse haben, sondern davon abhängig sind, ihren Kunden über allgemeine Ereignisse zu erzählen, die den meisten irgendwann widerfahren.   Sie machen meistens eine Reihe von bedeutungslosen Ritualen, um dann kalkulierte allgemeine Vermutungen zu machen.  Einige ihrer Vermutungen erweisen sich aufgrund ihrer Allgemeingültigkeit normalerweise als wahr.  Die meisten Menschen neigen dazu, sich an einige Vorhersagen, die sich bewahrheitet haben zu erinnern und die vielen, die dies nicht taten, zu vergessen.  Diese Tendenz ist ein Ergebnis der Tatsache, dass nach einiger Zeit alle Vorhersagen zu halb-vergessenen Gedanken im Unterbewusstsein werden, bis etwas geschieht, das die Erinnerung daran wachruft.  Beispielsweise ist es in Nordamerika zu am Anfang eines jeden Jahres allgemein üblich geworden, die unterschiedlichen Vorhersagen berühmter Wahrsager zu veröffentlichen.  Als eine Erhebung von den verschiedenen Vorhersagen für das Jahr 1980 gemacht wurde, wurde festgestellt, dass der genaueste Wahrsager von ihnen nur 24 % seiner Vorhersagen richtig lag!     


2.    Die zweite Gruppe sind diejenigen, die Kontakt zu den Ǧinn haben könnten.  Diese Gruppe ist die wichtigste, denn normalerweise beinhaltet sie die große Sünde des Schirk[1], und diejenigen, die beteiligt sind, neigen dazu, in ihren Informationen überaus genau zu sein und eine reale Fitnah (Versuchung) sowohl für Muslime als auch für Nicht-Muslime darzustellen.


Die Welt der Ǧinn

Manche Menschen haben versucht, die Realität der Ǧinn, denen im Qur´an ein ganzes Kapitel gewidmet ist, Sura al-Ǧinn (Kapitel 72) zu leugnen.  Unter Berufung auf die wörtliche Bedeutung des Wortes Ǧinn, das abgeleitet ist von dem Verb Janna, Yajunnu: „bedecken, verstecken oder verbergen", behaupten sie, das Wort Ǧinn beziehe sich auf „schlaue Fremde".  Andere haben sogar erklärt, dass ein Ǧinn ein Mensch sei, der keinen wahren Verstand in seinem Kopf besäße, sondern ein feuriges Wesen habe.  Aber in Wahrheit ist es so, dass die Ǧinn eine andere Schöpfung Gottes repräsentieren, die mit dem Menschen auf der Erde existiert.  Gott hat die Ǧinn geschaffen, bevor er die Menschheit geschaffen hat, und Er hat andere Elemente verwendet als für den Menschen.   Gott sagte:


"Und wahrlich, Wir haben den Menschen erschaffen aus trockenem, tönendem Lehm, aus schwarzem, zu Gestalt gebildetem Schlamm. Und die Ginn erschufen Wir zuvor aus dem Feuer der sengenden Glut." (Quran 15:26)


Sie wurden Ǧinn genannt, weil sie vor den Augen der Menschen verborgen sind.  Iblis (Satan) war in der Gesellschaft der Engel, denen befohlen worden war, sich vor Adam niederzuwerfen.  Als er sich weigerte, sich niederzuwerfen und gefragt wurde, warum, sagte er:

"Er sagte: „lch bin besser als er. Du erschufst mich aus Feuer, und ihn hast Du aus Ton erschaffen!" (Quran 38:76)


Aischa berichtete, dass der Prophet, Gottes Segen und Frieden seien auf ihm, sagte: „Die Engel wurden vom Licht geschaffen, und die Ǧinn von rauchlosem Feuer." (Sahieh Muslim)


Gott sagte ebenfalls:

"Und da sprachen Wir zu den Engeln: "Werft euch vor Adam nieder" und sie warfen sich nieder, außer Iblis. Er war einer der Ǧinn." (Quran 18:50)

Daher ist es nicht korrekt, ihn als einen gefallenen Engel oder ähnliches zu betrachten.  

Die Ǧinn können in Verbindung mit ihrer Existenzform erstmal in drei breite Kategorien unterteilt werden.  Der Prophet sagte:


"Es gibt drei Arten von Ǧinn: eine Art fliegt die ganze Zeit in der Luft, eine andere Art existiert als Schlangen und Hunde und die erdverbundene Art, die an einem Ort bleibt oder herumzieht." (At-Tabari und al-Haakim)


Die Ǧinn können in bezug auf ihren Glauben weiter unterteilt werden in zwei Kategorien: Muslime (Gläubige) und Kaafirs (Ungläubige).  Gott bezieht sich in Sura al-Ǧinn auf die Gläubigen:


"Sprich: „Es wurde mir offenbart, dass eine Schar der Ginn zuhörte und dann sagte: „Wahrlich, wir haben einen wunderbaren Quran gehört, der zur Rechtschaffenheit leitet; so haben wir an ihn geglaubt, und wir werden unserem Herrn nie jemanden zur Seite stellen.  Und (wir haben gehört,) dass unser Herr - Erhaben ist Er - Sich weder Gattin noch Sohn genommen hat und dass die Toren unter uns abscheuliche Lügen über Gott zu äußern pflegten." (Quran 72:1-4)


"Und manche unter uns sind Gottergebene, und manche unter uns sind vom rechten Weg abgewichen." „Und die sich ergeben haben, diese haben den rechten Weg gefunden." (Quran 72:14)


Die Ungläubigen unter den Ǧinn werden mit verschiedenen Namen genannt: Ifriet, Schaitan, Qarien, Dämonen, Teufel, Geister, usw.  Sie versuchen, den Menschen auf unterschiedliche Weise irrezuführen.  Wer auf sie hört, wird zu ihrem Mitarbeiter, man nennt ihn menschlichen Schaitan (Teufel). 

Gott sagte:


„Und so hatten Wir für jeden Propheten Feinde bestimmt: die Satane der Menschen und der Ginn." (Quran 6:112)


Jeder einzelne Mensch wird von einem Ǧinn begleitet, der als Qarien (d.h. Gefährte) bezeichnet wird.  Dies ist ein Teil der Prüfung für den Menschen in diesem Leben.  Der Ǧinn ermutigt seine niederen Gelüste und versucht immer, ihn von der Rechtschaffenheit abzulenken.  Der Prophet berichtete folgendermaßen von dieser Beziehung:


„Jedem von euch ist ein Gefährte von den Ǧinn zugewiesen worden."  Die Sahaba fragten: „Selbst dir, o Gesandter Gottes?"  Und der Prophet antwortete: „Selbst mir, außer, dass Gott mir geholfen hat gegen ihn und er hat sich unterworfen.  Jetzt sagt er mir nur noch Gutes."  (Sahieh Muslim)


Dem Propheten Sulaiman (Salomon) wurde wunderbare Kontrolle über die Ǧinn als Zeichen seines Prophetentums gegeben.  Gott sagte: „Und dort vor Salomo wurden dessen Heerscharen der Ginn und Menschen und Vögel versammelt, und sie standen in Reih und Glied geordnet." (Quran 27:17)


Doch diese Macht wurde niemandem sonst zuteil.  Niemandem sonst wurde gestattet, die Ǧinn zu kontrollieren und niemand kann es.  Der Prophet sagte: „Wahrhaftig, ein Ifriet von den Ǧinn spuckte mich letzte Nacht an, bei dem Versuch mein Salah zu unterbrechen.  Doch Gott ließ mich ihn überwältigen und ich wollte ihn an eine der Säulen der Masjid binden, damit ihr alle ihn am Morgen sehen könnt.  Dann erinnerte ich mich an das Gebet meines Bruders Sulaiman: „O mein Herr, vergib mir und gewähre mir ein Königreich, wie es keinem nach mir geziemt; wahrlich, Du bist der Gabenverleiher." (Quran 38:35)[2]



Fußnoten:

[1] Dies bedeutet, Gott Teilhaber zur Seite zu stellen.

[2] Sahieh Al-Bukhari, Sahieh Muslim

Related Articles with Wahrsagen (teil 1 von 3)