Sozialer Zusammenhalt im Islam (teil 3 von 3): Muslime und Nichtmuslime

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Ein Muslim vis-à-vis Nichtmuslimen


Offensichtlich wird die Gesellschaft nicht nur aus Muslimen allein bestehen.  Außerdem verfolgen Muslime und Nichtmuslime ziemlich unterschiedliche Wege.  Das Leben eines Muslim kreist völlig um den korrekten Glauben an Gott.  Das Verhalten eines Muslim anderen gegenüber wird gleichermaßen durch das Verhalten der anderen Gott gegenüber bestimmt.  Ein Muslim kann sich nicht möglicherweise vollkommen mit jemandem verbunden fühlen und lieben, der Gott den Rücken gekehrt hat, sich weigert, sich Gott zu unterwerfen oder sich sogar über den Glauben an Gott lächerlich macht.  Es ist einfach nicht natürlich, dass es zwischen derartigen Menschen vollständige Liebe geben könnte.[1]  Abgesehen von diesem möglicherweise negative Gefühl im Herzen, muss der Muslim allerdings mit Nichtmuslimen auf der Grundlage gerechter Prinzipien umgehen.  Dies trifft auf alle Nichtmuslime zu – viele Nichtmuslime sind Muslimen gegenüber nicht antagonistisch, während andere klar und unwiderruflich Verachtung und Hass Muslimen gegenüber zur Schau tragen.[2]


Ein Grundprinzip des Verhaltens gegenüber nicht kriegführenden Nichtmuslimen finden wir in folgendem Qur´anvers:  


“Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht des Glaubens wegen bekämpft haben und euch nicht aus euren Häusern vertrieben haben, gütig zu sein und redlich mit ihnen zu verfahren; wahrlich, Allah liebt die Gerechten.” (Quran 60:8)


Eine wichtige Verpflichtung gegenüber Ungläubigen ist anständige und gerechte Behandlung.  Dies beschrieb ein wohlbekannter muslimischer Gelehrter, Schaikh ibn Baz, der sagte: 


“[der Muslim] darf keiner anderen Person in bezug auf ihr Leben, ihren Besitz oder ihre Ehre Unrecht tun, wenn der Nichtmuslim ein Bewohner des islamischen Staates ist oder anderen Schutz genießt.  Er muss die Rechte des anderen erfüllen.  Er darf ihn in bezug auf seinen Besitz kein Unrecht tun, indem er ihn beraubt, betrügt oder irreführt.  Er darf seinem Körper keinen Schaden zufügen, indem er ihn schlägt oder tötet.  Sein Schutz vom Staat garantiert ihm seine Sicherheit vor solchen Dingen.”[3]

 


Ein Muslim kann Beziehungen mit Nichtmuslimen haben, z.B. kaufen, verkaufen oder von ihnen leihen.[4]  Sogar auf sozialer Ebene kann es Beziehungen geben, wie zusammen essen und ähnliches.  Allerdings werden solche Beziehungen von Natur aus begrenzt sein, wegen der sozialen Praktiken und Gebräuche.  Vielleicht könnte man sagen, dass das ultimative Ziel des Muslim ist, sie zum Islam einzuladen, indem man ihnen die Tür öffnet, eine vollständige Beziehung der Liebe und Brüderlichkeit unter einander aufzubauen.  Sogar wenn der Nichtmuslim feindlich und unhöflich ist, weiß der Muslim, dass er seinem Schlechten mit Gutem begegnen sollte.  Gott sagt:


„Und nimmer sind das Gute und das Böse gleich. Wehre (das Böse) in bester Art ab, und siehe da, der, zwischen dem und dir Feindschaft herrschte, wird wie ein treuer Freund sein.“  (Quran 41:34)


Wie ibn Baz zusammenfassend schrieb:  

“Es für Muslime verpflichtend, mit Ungläubigen auf islamische Weise mit gutem Benehmen umzugehen, solange sie die Muslime nicht bekämpfen.  Man muss seine Verpflichtungen ihnen gegenüber erfüllen, man darf sie nicht betrügen, täuschen oder belügen.  Wenn es unter ihnen ein Streitgespräch oder eine Diskussion gibt, muss man auf die beste Art und Weise mit ihnen argumentieren und im Streit gerecht mit ihnen umgehen.  Dies alles in Gehorsamkeit zu Gottes Befehl: 


“Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift; es sei denn auf die beste Art und Weise. Ausgenommen davon sind jene, die ungerecht sind.” (Quran 29:46)


Es ist dem Muslim gestattet, sie zum Guten einzuladen, ihnen guten Rat zu erteilen und geduldig mit ihnen zu sein, und gleichzeitig ein nachbarschaftlich und und höflich.  Dies ist so, weil Gott sagte:

“Rufe zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung auf, und streite mit ihnen auf die beste Art. ” (Quran 16:125)


Gott sagte ebenfalls:

“…freundlich zu den Menschen sprechen…” (Quran 2:83)[5]


Ein Muslim angesichts der Gesellschaft im Ganzen

Wenn ein Muslim akzeptiert, in einer bestimmten Gesellschaft zu leben, dann schließt er im Prinzip ein Abkommen mit dem Land, dass er an den Gesetzen des Staates festhalten wird.  Er hat nicht das Recht, einfach weil er Muslim ist und der Staat kein islamischer Staat ist, gegen die Gesetze des Staates zu verstoßen.  Daher beziehen sich alle diese Prinzipien, die in diesem Kapitel beschrieben wurden, auf einen Muslim, wo auch immer er leben mag.  In den meisten Ländern sind heutzutage Dinge gestattet, die einem Muslim verboten sind.  Diese erlaubten Dinge vermeidet der Muslim einfach.  Er sollte sich auch nach seinen Rechten erkundigen, um sicherzugehen, dass er nicht gezwungen sein wird, etwas, das im Islam verboten ist, zu tun.  Vor allem sollte er zu den Einwohnern gehören, die an den Gesetzen festhalten. 


Zusätzlich sollte ein Muslim eine Bereicherung für die Gesellschaft sein, in der er lebt.  Er sollte in vielerlei Hinsicht ein vorbildlicher Mitbürger sein.  Wie schon zuvor beschrieben, sollte er ein guter Nachbar sein.  Er ist verpflichtet, das Gute zu empfehlen und das Schlechte abzuwenden, egal wo er lebt.  Außerdem muss er meiden und ablehnen, was die meisten Gesellschaften als grobe Verbrechen betrachten, wie Mord, Raubüberfälle, Erpressung und so weiter.  Darüber hinaus muss er Alkohol- und Drogenkonsum aus dem Weg gehen und so der Gesellschaft nicht mit seinen persönlichen Schwächen und Neigungen Lasten auferlegen.  Schließlich muss er in allen seinen Taten gerecht und fair mit den anderen Mitgliedern der Gesellschaft sein. 


Der Islam erkennt die Tatsache an, dass es für einen Menschen natürlich ist, sein Land zu lieben und das Land in dem man aufgewachsen ist, gegenüber anderen zu bevorzugen.  Als die Muslime gezwungen waren, aus Mekka auszuwandern, das unter der Kontrolle der Götzendiener stand, bekannten viele von ihnen ihre Liebe für Mekka.  Daher ist es für Muslime ganz natürlich, eine Liebe für das Land, in dem sie gerade leben, zu entwickeln, egal welches es ist, auch wenn dieses Land kein islamischer Staat ist.  Es ist für Muslime ebenfalls ganz natürlich, für ihr Heimatland das beste zu wünschen.  Aber unglücklicherweise kann es sein, dass ihre Vorstellung davon, was das beste ist, von anderen nicht geteilt oder geschätzt wird.  Beispielsweise wünschen sich die Muslime, dass Glücksspiel, Prostitution und Pornographie verschwinden.  Der Muslim glaubt, dass dies das beste für alle betroffenen Menschen wäre, für Muslime ebenso wie für Nicht-Muslimes.  Viele Nicht-Muslime teilen aber dieses Gefühl nicht.  Darin liegt das wirkliche Problem.  Theoretisch gesehen sollte dies in den zeitgenössischen “freien” Gesellschaften kein Problem darstellen.  Muslime sollten in der Lage sein, ihre Werte und Gebräuche einzuhalten – ohne anderen zu schaden – während andere der vorherrschenden Kultur in nicht-muslimischen Ländern folgen.  Wenn die „freien“ Länder den Muslimen dieses bisschen Freiheit nicht gewähren, bedeutet das, dass sie nicht nach ihren eigenen Idealen leben wollen.  Es sind nicht die Muslime, die versuchen, ihnen zu schaden, denn sie bemühen sich nur, gute Mitbürger zu sein, während sie eine andere Lebensweise als die vorherrschende Kultur haben.  

 


Schlussfolgerung 

Sogar in pluralistischen Gesellschaften tragen islamische Lehren zum sozialen Zusammenhalt bei.  Erstens wird der erste Stolperstein für derartigen Zusammenhalt, Rassismus und Vorurteil, beseitigt.  Zweitens wird eine starke Liebe unter denen, die dem islamischen Glauben angehören, geschaffen.  Drittens werden klare und entschiedene Anweisungen für gerechtes und angemessenes Benehmen den Andersgläubigen gegenüber gegeben.  Viertens versteht der Muslim seine Verantwortung seinen Mitbürgern gegenüber und daher trägt er zu Gunsten aller dazu bei, was das Wohlbefinden und den Zusammenhalt in der Gesellschaft fördert. 




Footnotes:

[1] Diese Tatsache gilt auch für Sekularisten.  Viele von denen auf der linken Seite der politischen Skala fühlen gegenüber denen auf der rechten Seite wahre Verachtung und Hass und umgekehrt.


[2] Es gibt Zeiten, in denen der islamische Staat Krieg gegen nichtmuslimische Staaten führt.  Derartige Zustände waren in der Geschichte der Menschheit nichts Ungewöhnliches und bedeuten nicht notwendigerweise, dass es in Zukunft unmöglich sei, zu kooperieren.  In der Tat haben die europäischen Staaten immer wieder gegen einander gekämpft, manchmal hundert Jahre lang, und doch gehören sie heute alle zur europäischen Union.  Der Kriegszustand wird die Beziehung zwischen Muslimen und Nichtmuslimen beeinflussen.  Allerdings ist dies in der heutigen Welt nicht der Normalfall.  Daher geht eine Erläuterung dieses Themas über den Rahmen dieses Werks hinaus. 


[3] Ali Abu Lauz, compiler, Answers to Common Questions from New Muslims (Ann Arbor, MI: IANA, 1995), S. 30.


[4] Themen bezüglich nichtmuslimischer Verwandter oder Nachbarn wurden bereits angesprochen.  


[5] Ali Abu Lauz, Answers, S. 42.

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