3.3 Der Glaube an Aḷḷāhs Göttlichkeit (Ulūhiyyah)(4/3.3)


Dr. Aḥmad ’Ibn ‘Abd-’r-Raḥmān al-Qāḍī

Die Umsetzung dieses Glaubens setzt voraus, alle Arten von Gottesdienst einzig Aḷḷāh zu widmen. Wer jemand anderem außer Aḷḷāh einen Gottesdienst widmet, ist demnach ein Polytheist und ein Ungläubiger. Der Gottesdienst lässt sich in folgende Kategorien aufteilen:

1. Die emotionalen Gottesdienste (die mit dem Herzen zu vollziehenden Gottesdienste):

Dazu gehört zunächst die Liebe, so sagt Aḷḷāh :

„Und doch gibt es unter den Menschen manche, die außer Aḷḷāh andere als Seinesgleichen annehmen und ihnen dieselbe Liebe schenken wie Aḷḷāh. Aber die Gläubigen sind stärker in ihrer Liebe zu Aḷḷāh.“

(2:165)

Auch die Furcht gehört zu dieser Kategorie; Aḷḷāh sagt:

„Fürchtet sie aber nicht, sondern fürchtet Mich, wenn ihr gläubig seid!“

(3:175)

und schließlich die Hoffnung. Aḷḷāh spricht:

„Wer nun auf die Begegnung mit seinem Herrn hofft, der soll rechtschaffen handeln und beim Dienst an seinem Herrn (Ihm) niemanden beigesellen“

(18:110)

Diese drei Emotionen sind der Kern der emotionalen Gottesdienste. Aḷḷāh  sagt:

„Diejenigen, die sie anrufen, trachten nach einem Mittel zu ihrem Herrn (und wetteifern), wer von ihnen (Ihm) am nächsten sei, und hoffen auf Seine Barmherzigkeit und fürchten Seine Strafe“

(17:57)

Dabei soll man sich nicht auf eine Emotion beschränken und die anderen vernachlässigen. Denn wer Aḷḷāh ausschließlich in Furcht anbetet, ist ein sogenannter Ḥarūriyy.1  Wer hingegen Aḷḷāh nur in Hoffnung anbetet, ist ein Murği’.2  Und wer Aḷḷāh ausschließlich in Liebe anbetet, ist ein Heuchler (Zindīq)3

Derjenige jedoch, der Aḷḷāh in Liebe, Furcht und Hoffnung anbetet ist ein aufrichtiger Monotheist.Der Ursprung der körperlichen Gesundheit liegt im Herzen – so, wie es in folgendem Ḥadīṯ heißt:

„Wahrlich, es gibt im Menschenkörper ein kleines Stück Fleisch, wenn dieses gut ist, so ist der ganze Körper gut, ist es aber verdorben, so ist der ganze Körper verdorben. Wahrlich, es ist das Herz.“

4,5

2. Der verbale Gottesdienst:

Dazu zählen die Anrufungen (Duʽā’), Aḷḷāh  sagt nämlich:

„Und die Gebetsstätten gehören doch Aḷḷāh; so ruft neben Aḷḷāh niemanden an“

(72:18)

und das Ersuchen um Zuflucht bei Aḷḷāh (Istiʽāḏah); so sagt Er U:

„Sag: Ich nehme Zuflucht beim Herrn des Tagesanbruchs“

(113:1)

und

„Sag: Ich nehme Zuflucht beim Herrn der Menschen“

(114:1)

Auch das Erbitten von Aḷḷāhs Hilfe (Istiġāṯah) gehört zum verbalen Gottesdienst, Er sagt t:

„(Gedenke) als ihr euren Herrn um Hilfe anrieft. Da erhörte Er euch: ‚Ich werde euch mit Tausend von den Engeln unterstützen, hintereinander reitend. “

(8:9)

sowie das gesprochene Gedenken Aḷḷāhs (Ḏikr), denn Aḷḷāh  sagt:

„O die ihr glaubt, gedenkt Aḷḷāhs in häufigem Gedenken“

(33:41)

und natürlich auch die Rezitation des Qur‘an, wie Aḷḷāh  sagt:

„Verlies, was dir vom Buch (als Offenbarung) eingegeben wird“

(29:45)

und ganz allgemein alle guten Worte, denn

„Zu Ihm steigt das gute Wort hinauf“

(35:10)

und vieles mehr.

المراجع

  1.  Diese Gruppe ist nach dem irakischen Dorf Ḫarūrā’ (bei Kūfah) benannt; sie entstand zur Zeit des vierten rechtgeleiteten Kalifen ʽAliyy und wird zu den religiös-politischen Oppositionellen, den sogenannten Ḫawāriğ gezählt. (Anm. d. Ü.).
  2. Eine radikale islamische Gruppe, entstanden nach der Ermordung der beiden Kalifen ʽUṯmān
    und ʽAliyy; ihre Anhänger gehen davon aus, dass ein sündiger Muslim ein vollkommener Gläubiger bleibt, denn sie betrachten Taten nicht als Teil des Īmān.
  3. Dieser Begriff aus dem abbassidischen Zeitalter bezeichnet einen Muslim, der vom Weg
    abgefallen ist bzw. einen Heuchler, der nach außen den Islam zeigt und seinen Unglauben verbirgt. (Anm. d. Ü.).
  4.  Übersetzung des Ḥadīṯ basierend auf: http://islamische-datenbank.de... (Anm. d. Ü.).
  5. Al-Buḫāriyy (Nr. 52) und Muslim (Nr. 1599); zählt zu den von Nuʽmān Ibn Bašīr überlieferten
    Ḥadīṯen. 


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